
Mandelförmige Faustkeile bezeugen, dass Sizilien zu Beginn der Altsteinzeit bereits von Menschen besiedelt ist. Es gibt zahlreichere Funde von Steinwerkzeug ab 28.000 v. Chr. Erste Felszeichnungen entstehen im 9. Jahrtausend v. Chr. in der Grotta del Genovese. Die Neusteinzeit (Neolithikum), die den Übergang der Menschheit vom Sammler und Jäger zum sesshaften Leben markiert, beginnt auf Sizilien erst ab dem 6. Jahrtausend v. Chr. – im „Fruchtbaren Halbmond“ bereits um 10.000 v. Chr. Die Menschen wohnen nun nicht mehr in Höhlen, sondern beginnen Dörfer anzulegen. Sie fangen an, Getreide anzubauen und Herden zu halten. Am Ende des Neolithikums gibt es sehr enge Kontakte mit Malta, das Textilien liefert und im Gegenzug Obsidian, Ocker und Alabaster erhält.
Auf Sizilien kann die Bronzezeit ab 2.500 v. Chr. angesetzt werden. Nun wird reich dekorierte Keramik der sog. Castelluccio-Kultur und Bronze produziert. Die gleichzeitigen Keramikstile fallen aber je nach Region unterschiedlich aus. Die Trichterrandschale (1), wohl aus der Nähe von Agrigent, ist einer dieser Untergruppen zuzuweisen, der sog. Naro-Partanna-Kultur, und ist 2.200 – 1.800 v. Chr. entstanden.
Von der Levante geht ab dem 11. Jh. v. Chr. die Initiative zu Vernetzung der Mittelmeerwelt aus. Ein multikultureller Handelsposten entsteht 770 v. Chr. auf Ischia: Etrusker, Griechen von Euboia und Händler aus der Levante lassen sich hier nieder. 734 v. Chr. gründen dann Bewohner von Chalkis/Euboia die erste griechische Stadt Naxos auf Sizilien.
Objekt 1 | Trichterranschale

Inv. 4399
Ton
H 9,6 cm; max. Dm 19,4 cm
2200-1800 v. Chr., Castelluccio-Kultur, frühe Bronzezeit, in der Nähe von Selinunt (Sizilien) gefunden
Die Dekoration dieses Gefäßes ist durch geometrische Motive bestimmt. Außen- und Innenseite des Gefäßkörpers sind mit einem Leitermotiv verziert: außen komplett, im Inneren zwischen Dreiecken mit Schachbrettmuster und dem dominierenden Rautenmuster eingefügt. Der Fuß ist umlaufend mit rautengemusterten Dreiecken verziert. Diese Schale ist ein Beispiel für die Keramik des Naro-Partanna-Stils, der kennzeichnend für den Übergang zur Bronzezeit und originär sizilisch ist. Typisch für diese Keramik sind Verzierungen mit Rauten, Dreiecken und Fadenkreuzen.