




Während die Griechen 490 und 480 v. Chr. den Angriff der Perser auf ihr Land abwehren, gelingt dies auch den griechischen Städten auf Sizilien gegen auswärtige Aggressoren: 480 v. Chr. besiegt ein Heer unter Anführung der Tyrannen Gelon von Syrakus und Theron von Akragas die Karthager. Sechs Jahre später überwinden die vereinigten Flotten von Kymae und Syrakus die Etrusker. Der an diesem Sieg beteiligte Tyrann Hieron I. von Syrakus verlegt kurzfristig seine Hauptstadt von Syrakus nach Katane, das er in Aitnai umbenennt. Dies bedeutete allerdings, dass er die bisherigen Bewohner von Katane nach Leontinoi umsiedelt.
Ende des 5. Jh. v. Chr. erlebt Sizilien eine unruhige Zeit: Zunächst findet die Sizilische Expedition statt, die 413 v. Chr. mit der Niederlage von Athen endet. Die Karthager revanchieren sich 409 – 405 v. Chr. für ihre früheren Niederlagen und zerstören einige griechische Städte auf der Insel.
In ebendiese Zeit datieren zwei rofigurige Salbölgefäße (1–2 lekythoi) aus Athen, die in einem Grab bei Castelvetrano/Selinunt gefunden wurden. Aus dieser Stadt stammen die Fragmente von Tonlampen (3), aus dem 5./4. Jh. v. Chr., die darauf hindeuten, dass dort eine Töpferei nach Vorbildern aus Griechenland gearbeitet hat.
Der Kopf (4) von einer tönernen Büste wird mit den wichtigsten beiden Göttinnen von Sizilien – Demeter und Persephone – in Verbindung gebracht und auf der Insel in der Nähe des Ätna ca. 330 – 300 v. Chr. hergestellt.
Objekt 1 | Salbölgefäß (lekythos)

Inv. 719
Ton
H 22,5 cm; max. Dm 8 cm
um 410 – 400 v. Chr.
aus einem Grab bei Castelvetrano/Selinunt
Objekt 2 | Salbölgefäß (lekythos)

Inv. 720
Ton
H 21,5 cm; max. Dm 7,3 cm
um 410 – 400 v. Chr.
aus einem Grab bei Castelvetrano/Selinunt
Diese beiden Salbölgefäße (lekythoi) aus einem Grab in der Nähe der Stadt Selinunt sind typische Produkte der athenischen Töpfereien aus dem letzten Jahrzehnt des 5. Jh. v. Chr. Genau in dieser Zeit enden die Importe attischer Keramik und eine eigenständige sizilisch-rotfigurige Vasenmalerei entsteht. Diese wird sowohl von den Produkten aus Athen als auch aus Unteritalien beeinflusst.
Objekt 3 | Fragmente von Öllampen


Inv. 3116
Ton
wohl 5./4. Jh. v. Chr.
aus Selinunt
Sämtliche Fragmente gehören zu scheibengedrehten Tonlampen, die als Rundschulter- oder Stocklampen bezeichnet werden. Der zweite Name leitet sich von dem Tubus im Zentrum ab, in den ein Stock gesteckt werden kann. Diese Art von Lampen wird in griechischen Werkstätten ab dem späten 7. Jh. v. Chr. hergestellt. Auf Sizilien wird diese Form in Töpfereien bis ins 4. Jh. v. Chr. imitiert.
Objekt 4 | Kopf der Demeter/Persephone

Inv. 2585
Ton
H 29,5 cm; B 21 cm; T 17,5 cm
ca. 330 – 300 v. Chr., wohl in der Nähe des Ätna hergestellt
Büsten der Demeter oder Persephone waren ab dem 5. Jh. v. Chr. auf Sizilien weit verbreitet. Auf dem Kopf befindet sich ein Polos, der oben ausschwingt und in einem Wulst endet, eine typische Kopfbedeckung weiblicher Gottheiten. Da dem Kopf jegliche Attribute, die auf eine Zuweisung an eine bestimmte Göttin hinweisen, fehlen, wird entweder Demeter oder aufgrund ihres mädchenhaften Erscheinens ihre Tochter Persephone gemeint sein. Diese beiden Göttinnen hatten eine besondere Bedeutung für Sizilien, da die Insel den beiden der Sage nach als Geschenk überreicht wurde, nachdem der Gott Hades Persephone ihrer Mutter Demeter entrissen hatte.