Sizilien entwickelt für Tongefäße und Tonfigürchen eigenständige Produkte. Die Statuette der Göttin Artemis (1) aus der Zeit um 400 v. Chr. entsteht in Werkstätten in Syrakus. Die Büchse (2 pyxis) gehört in den Übergang von der Klassik in den Hellenismus (330 – 320 v. Chr.).
Die römische Herrschaft sorgt für eine weitgehend friedliche Zeit. Allerdings löst der Statthalter Verres von 73 – 71 v. Chr. großen Unmut aus, da er die Insel ausbeutet. Nach der Reichsteilung 395 n. Chr. gehört Sizilien zum Weströmischen Reich. Von 439 – 468 v. Chr. dauern die Eroberungszüge der Vandalen, im Anschluss 535 n. Chr. wird die Insel ins Byzantinische Reich eingegliedert.
Im 8. Jahrhundert beginnen unruhige Zeiten, da die arabischen Raubzüge den Konflikt mit Byzanz verschärfen. Der aġlabidische Emir von Tunis erobert und beherrscht Sizilien. Verbesserte Bewässerungstechnik und die Einführung von neuen Kulturpflanzen wie Zitronen sorgen nun für einen merklichen Aufschwung. Die Goldmünze (3) des Kalifen al-Mustanṣir ist zwischen 1040 – 1073 n. Chr. geprägt worden.
1061 n. Chr. ist der Beginn der Eroberung der Insel unter der Führung von Roger, dem Normannen, und diese wird bis 1091 erfolgreich abgeschlossen. Die beiden Goldmünzen haben Roger I. (4) bzw. Roger II. (5), die Bronzemünze König Wilhelm II. (6) prägen lassen.
1194 n. Chr. beginnt die Herrschaft der Staufer auf Sizilien. Der Pfennig (7) des Königs Konrad II. datiert auf 1254 – 1258, der Doppelpfennig (8) des Königs Peter III. von Aragon auf 1282 – 1285 n. Chr.

Objekt 1 | Statuette der Göttin Artemis

Inv. 1068
Ton
H 17,6 cm; B 8,8 cm; T 4,3 cm
410 – 390 v. Chr., aus Syrakus (Sizilien)

Die Statuette der Artemis, Göttin der Jagd, besteht aus rot-bräunlichem Ton und steht auf einem rechteckigen Sockel. Ihre geöffnete rechte Hand ist zu ihrem Kopf erhoben, eine Geste, die als Gruß interpretiert werden kann. Ihre linke Hand hängt herab und stützt zwei Lanzen. Links von der Göttin sitzt ihr Begleittier, ein nach links schauender Hund, dessen Schnauze nicht erhalten ist. Artemis-Statuetten dieser Art stammen aus Werkstätten in Syrakus und sind zwischen 410 und 390 v. Chr. zu datieren. Sie variieren besonders in der Seite der gehobenen Hand sowie der Position des Hundekopfes. Solche Statuetten belegen die Beliebtheit der Jagdgöttin in Syrakus und ihre Repräsentation in der Kleinkunst. Artemis hatte im Zusammenhang mit dem Gründungsmythos von Syrakus eine zentrale Bedeutung. Sie verhalf der Nymphe Arethusa zur Flucht, ihr war die Insel Ortygia gewidmet – dort, wo Arethusa nach ihrer Flucht vor dem Flussgott Alpheios als Quelle wieder auftauchte

Objekt 2 | Büchse (pyxis): zwei badende Frauen und Eros

Inv. 585
Ton
H 25,3 cm; Dm 26,5 cm
um 320 v.Chr., sizilisch-rotfigurig, Borelli-Gruppe

Diese Pyxis diente als Behältnis für Schmuck oder Kosmetik und geht vermutlich auf hölzerne Vorbilder zurück, was durch den Deckelgriff zu erkennen ist, welcher wie gedrechselt erscheint. Sie könnte eine Grabbeigabe sein, welche einer unverheiratet verstorbenen Frau beigelegt wurde. Dies lässt sich vor allem durch die bildlichen Darstellungen ableiten: Die beiden Frauen auf der Vorderseite werden beim Baden gezeigt – möglicherweise beim Hochzeitsbad, welches die griechische Braut am Vorabend der Vermählung vollzieht. Der Eros auf der Rückseite würde sich ebenfalls in diese Thematik einfügen. Diese Form der Pyxis und ihre Dekoration sind typisch für die späte sizilische Vasenmalerei.

Objekt 3 | Vierteldinar des Kalifen al-Mustanṣir

Inv. M 10620
Gold
0,97 g; Dm 16 mm; Stempelstellung 2 h
unter Kalif al-Mustanṣir zwischen 1040 – 1073 n. Chr. in Ṣiqilliyyah (im Regelfall Palermo) geprägt

https://archaeologie.uni-muenster.de/ikmk/object?id=ID4439

Objekt 4 | Tari des Königs Roger I.

Inv. M 7176
Gold
1,10 g; Dm 14 mm; Stempelstellung 9 h
unter König Roger I. zwischen 1085/1087 – 1101 n. Chr. in Palermo oder Messina geprägt

https://archaeologie.uni-muenster.de/ikmk/object?id=ID4443

Objekt 5 | Tari des Königs Roger II.

Inv. M 7185
Gold
1,16 g; Dm 12 mm; Stempelstellung 6 h
unter König Roger II. zwischen 1140 – 1152 n. Chr. in Palermo geprägt

https://archaeologie.uni-muenster.de/ikmk/object?id=ID4444

Objekt 6 | Follaro des Königs Wilhelm II.

Inv. M 7206
Bronze
10,80 g; Dm 25,1 mm; Stempelstellung 12 h
unter König Wilhelm II. nach 1180/1185 n. Chr. in Messina geprägt.

Die mittelalterliche Münze nimmt antike Motive wieder auf: Den Löwenskalp kennen wir aus Zankle, Rhegion und Leontinoi aus dem 5. Jh. v. Chr., die Palme war ein bekanntes Münzbild der (Sikulo-)Punier.

https://archaeologie.uni-muenster.de/ikmk/object?id=ID4441

Objekt 7 | Pfennig des Königs Konrad II.

Inv. M 7234
Billon
0,61 g; Dm 18 mm; Stempelstellung 4 h
unter König Konrad II. 1254 – 1258 n. Chr. in Messina geprägt

https://archaeologie.uni-muenster.de/ikmk/object?id=ID4436

Objekt 8 | Doppelpfennig des Königs Peter III. von Aragon

Inv. M 7247
Billon
0,89 g; Dm 18 mm; Stempelstellung 1 h
unter König Peter III. von Aragon 1282 – 1285 n. Chr. in Messina geprägt

https://archaeologie.uni-muenster.de/ikmk/object?id=ID4435