Keine übernatürliche Gestalt prägt die griechische Kulturgeschichte intensiver als Gorgo Medusa. Ihr ist ein grausiges Schicksal beschieden, obwohl sie schuldlos in folgende Situation geraten ist: Ursprünglich von schöner Gestalt wird sie im Tempel der Athena von Poseidon vergewaltigt. Athena sieht diesen Gewaltakt, bestraft allerdings die Missbrauchte, indem sie sie in ein Ungeheuer verwandelt. Nun ist sie ein geflügeltes Monster mit einem fratzenhaften Gesicht, dazu Schlangen in den Haaren und Keiler-Eckzähne. Großes Unglück geht von ihr aus, denn jede Person, die in ihr Antlitz schaut, wird in Stein verwandelt. Die Götter können ein solches Wesen nicht existieren lassen und schicken den Helden Perseus ausgerüstet mit Tarnkappe, Flügelschuhen und Sichel gegen das Ungeheuer. Ausgerechnet Athena begleitet ihn und gibt ihm ein entscheidendes Hilfsmittel – einen Schild mit Spiegelfunktion, so dass er Gorgo enthaupten kann, ohne sie direkt anzublicken. Aus dem Hals entspringen das geflügelte Pferd Pegasos und der Knabe Chrysaor. Bis auf den Knaben bildet ein Relief (metope) vom Tempel C in Selinunt dieses Ereignis ab (1).
Als Motiv ist das Gorgoneion in der Antike allgegenwärtig wie auf dem Schaleninnenbild (2). Als übelabwehrendes Zeichen ziert es z.B. Stirnziegel von Tondächern (3). Auch auf sizilischen Münzen begegnen sie nicht selten (4-7). Allerdings ist dessen Funktion auf dem Geld bisher nicht befriedigend erläutert.

Station | Metope 4, Tempel C von Selinus: Tötung der Gorgo Medusa

siehe Station „Metope Tempel C von Selinus: Tötung der Gorgo Medusa“

Objekt 2 | Stirndeckziegel (antefix): Gorgoneion

Inv. 2605
Stirndeckziegel (antefix): Gorgoneion
Ton
B 24,4 cm; max. L 12,6 cm
ca. 350 – 325 v. Chr., aus Apulien (Tarent?)

Derartige Ziegel zieren die tönernen Dachränder. Dargestellt ist ein Gorgoneion: Den Kopf umgeben wellige Haarsträhnen, in die Schlangen eingefügt sind. Die zentrale, frontal abgebildete wird gerahmt von kaum wahrnehmbaren Flügeln. Während frühe Gorgoneia noch eher gefahrvoll wirken, werden diejenigen des 4. Jh. v. Chr. immer deutlicher vermenschlicht. Dennoch haben sie weiterhin die Funktion als übelabwehrendes Zeichen.

Objekt 3 | Innenbild einer Augenschale: Gorgoneion

Inv. 5999
Ton
H 12,4 cm; Dm 21 cm
ca. 520 – 510 v. Chr., attisch-schwarzfigurig

Diese Trinkschale reiht sich in die Reihe der sogenannten Augenschalen ein, die sich ab 540 v. Chr. großer Beliebtheit erfreuten. Kennzeichnend für diesen Schalentyp sind die auf der Außenseite abgebildeten Augen, die beim Trinken während des Symposions an die Stelle der Augen des Trinkenden traten. Es ergab sich der Eindruck einer Maske, die das Gesicht verdeckte, wobei das Tragen von Masken mit dem Dionysoskult assoziiert wird. Besonders an diesem Exemplar ist der Fuß, der in Form eines Penis mit Hoden geformt ist, Attribute, die ebenfalls ein Element des Dionysoskultes sein konnten, aber auch in profaner Weise an die während des Symposions ausgeübte Sexualität denken lassen.
Das Bild des Gorgoneion, des abgeschlagenen Gorgo-Kopfes, begegnet uns hier auf der Innenseite der Schale. Die Gorgo ist hier mitsamt ihren Hauern, dem klaffenden Maul und seltenerweise bärtig dargestellt. Mit dem Gorgoneion wurde eine übelabwehrende Funktion verbunden.

Münze 4 | Gorgoneion, in Himera geprägt

Inv. M 8498
Münze
Bronze
13,33 g; Dm 24 mm, Stempelstellung 10 h
ca. 430 – 420 v. Chr., in Himera geprägt

Münze 5 | Gorgoneion, in Himera geprägt

Inv. M 8497
Münze
Bronze
31,59 g; Dm 27 mm; Stempelstellung 11 h
ca. 430 – 420 v. Chr., in Himera geprägt

Münze 6 | Gorgoneion, in Kamarina geprägt

Inv. M 8579
Münze
Bronze
3,72 g; Dm 20 mm; Stempelstellung 11 h
ca. 420 – 405 v. Chr., in Kamarina geprägt

Münze 7 | Gorgoneion, in Kamarina geprägt

Inv. M 8590
Münze
Bronze
1,22 g; Dm 13 mm; Stempelstellung 4 h
ca. 420 – 405 v. Chr., in Kamarina geprägt