Demokratie

Demokratie

Unbestritten stellt die Demokratie die beste aller Verfassungen dar. Entstanden ist sie in Athen/Attika, indem Solon (594/593 v. Chr.) zunächst erste Schritte einleitet, bevor dann nach der Alleinherrschaft des Peisistratos und seiner Söhne (546 – 528 v. Chr.) Kleisthenes die Herrschaft des Volkes 508 v. Chr. offiziell einführt. Erste Versammlungen finden auf der Agora statt.

Neue Bevölkerungsgruppierungen werden geschaffen, die jeweils aus Küsten-, Land- und Stadtbevölkerung bestehen: die Phylen. Dieser Verfassungswechsel ist in der Bilderwelt zunächst nicht zu greifen, lediglich das Verbot von neuen Reiterstatuen auf der Akropolis kann als Zeichen des Bürgertums begriffen werden, das derartigen adeligen Aufwand im wichtigsten Heiligtum der Stadt nicht mehr zulässt.

In den 480er Jahren v. Chr. – sicherlich auch begünstigt durch den Sieg des Bürgerheeres gegen die Perser in der Schlacht von Marathon 490 v. Chr. – wird ein politisches Instrument eingeführt, das die Alleinherrschaft verhindert: das Scherbengericht. Gleichzeitig zu dieser politischen Neuerung werden Vasenbilder, die sog. Frauengemachszenen, immer beliebter. Das Thema „Frauen in ihrem häuslichen Umfeld“ ist für die Zeit der Adelsherrschaft noch nahezu unbedeutend. In Zeiten der Demokratie sind derartige Bilder sicherlich auch Zeichen des selbstbewussten Bürgertums (siehe Vitrine 12 gegenüber).

Das Modell des Staatsmarktes (agora) von Athen
Holz und verschiedene Materialien – Maßstab 1 : 100
geschaffen von Friedrich Korfsmeyer 1950–1959

Die agora bildet seit dem 6. Jh. v. Chr. das Zentrum des öffentlichen Lebens in Athen. Hier standen neben den fliegenden Bauten der Händler ein Brunnenhaus und der Zwölfgötter-Altar, der zugleich als Meilenstein diente, sowie das Heroon des Aias. Man kann diesen Ort später dann als Wiege der Demokratie bezeichnen, denn hier wurden ab 508 v. Chr. auf dem Tanzplatz (orchestra) die ersten freien Wahlen abgehalten – später dann diente die sogenannte Pnyx und das Dionysos als Tagungsort der Volksversammlung. Nun entstanden weitere Funktionsbauten für die neue Verfassung: ein Rathaus (bouleuterion), eine Königliche Halle, vor der ein Schwurstein lag, in deren Bereich zahlreiche Inschriftentafeln aufgestellt waren, sowie ein Kultbau für Meter, die Göttermutter. In den 460er Jahren kamen der Rundbau (tholos) für die diensthabenden Staatsbeamten, die Bunte Halle und ein schattenspendender Platanenhain hinzu. Mitte des 5. Jh. v. Chr. begannen der drei Jahrzehnte andauernde Bau des Tempels des Hephaistos und der Athena Ergane sowie die Errichtung des Verwaltungsbaus für das Militär. Es folgten nach 430 v. Chr. die Stoa des Zeus des Befreiers, die Süd-Halle I, das neue Rathaus und die Münze. Danach ruhte die Bautätigkeit bis ca. 350 v. Chr. Nun entstanden ein weiteres Brunnenhaus und das Monument für die Phylenheroen, hier wurden die Informationen für die 10 regionale Verwaltungsbezirke (phylai) am Sockel angebracht, gefolgt von den Schreinen für Zeus Phratrios und Athena Phrastria sowie der Tempel des Apollon Patroos. Erst nach 175 v. Chr. folgten dann die Mittlere Halle, das Ost-Gebäude, die Süd-Halle II und die Halle des Königs Attalos II von Pergamon sowie die Umgestaltung des Metroon. Unter Kaiser Augustus 31 v. Chr. – 14 n. Chr. wurden wieder starke Ergänzungen vorgenommen: ein Konzerthaus – Odeion des Agrippa -, der Südwest- und der Südosttempel sowie der Arestempel. Im 2. Jh. n. Chr. schlossen sich dann noch das Brunnengebäude (Nymphaion), die Bibliothek des Pantainos und die Südost-Halle an.

Inv. AM 2 – Stiftung Familie Korfsmeyer

Der Modellbauer
Friedrich Korfsmeyer (1900 – 1969)

Als Lehrer für Deutsch und Geschichte mit Lehrbefugnis für Realschulen unterrichtet er seit 1925 auf eigenen Wunsch in Hauptschulen des damaligen Landkreises Bielefeld und ab 1949 bis zur Pensionierung 1965 im Landkreis Halle / Westfalen. Die Werkstatt für die Lehrmodelle befindet sich in seinem Wohnhaus in Bielefeld-Babenhausen. Dieses Modell entsteht zwischen 1950 – 1959 als Bestandteil des Athenmodells.

1 sog. Nord-Westtempel (Ende 1. Jh. v. Chr.)

2 sog. Arsenal (Anfang 3. Jh. v. Chr.)

3 Halle (stoa) des Zeus Eleutherios (430 – 420 v. Chr.)

4 Tempel des Hephaistos und der Athena (begonnen ca. 460, nach Unterbrechungen fertiggestellt ca. 420 v. Chr.)

5 Tempel des Apollon Patroos (2. Hälfte 4. Jh. v. Chr.)

6 Altes Rathaus (bouleuterion, um 500 v. Chr.) und Heiligtum der Rhea (Mutter der Olympischen Götter) (8), später umgebaut und Metroon genannt

9 Neues Rathaus (bouleuterion, um 415 – 406 v. Chr.)

10 Tholos (470 – 460 v. Chr.)

11 sog. Strategion

12 12-Götter-Altar (522/21 v. Chr.)

14 Tempel des Ares (ursprünglich um 430 – 420 in Pallene, 11 km nördlich von Athen errichtet) unter Kaiser Augustus im späten 1. Jh. v. Chr. hierhin versetzt

15 Monument der Eponymen Heroen (ursprünglich vor 420 v. Chr. errichtet), um 330 v. Chr. vor das Metroon versetzt

16 Südwest-Tempel (Ende 1. Jh. v. Chr.)

17 staatliche Büros (?)

18 Odeion des Agrippa (ca. 16/14 bis 12 v. Chr.)

19 sog. Mittel-Stoa (1. Hälfte 2. Jh. v. Chr.)

20 sog. Ost-Gebäude (1. Hälfte 2. Jh. v. Chr.)

21 sog. Süd-Stoa II (1. Hälfte 2. Jh. v. Chr.)

22 Aiakeion (Anfang 5. Jh. v. Chr.; umgebaut im 3. Viertel des 4. Jh. und Mitte des 2. Jh. v. Chr.)

23 Süd-West-Brunnenhaus (Anfang 5. Jh. v. Chr.)

26 Süd-West-Staatsbau (sog. drittes Prytaneion oder Staatsgefängnis)

27 sog. Nord-Ost Stoa (um 325 v. Chr.)

28 Rednertribüne (bema, um 140 v. Chr.)

29 Attalos-Stoa (um 150 v. Chr. errichtet)

30 Bibliothek des Pantainos (zwischen 98 und 102 n. Chr.)

31 Wohnhäuser

34 Wohnhäuser

35 Wohnhäuser

36 Brunnenhaus (nymphaeum, Mitte 2. Jh. n. Chr.)

37 Süd-Ost-Brunnenhaus (ca. 530/520 v. Chr.)

38 Panathenäen-Straße