















Falschgeld gehört seit der Antike zur Geldgeschichte. Schon damals werden untergewichtige oder subaerate Münzen in Umlauf gebracht: Silberplattierte Bronzestücke täuschen Wert vor und verschaffen Fälschern Gewinn.
Doch in dieser Vitrine geht es um neuzeitliche Fälschungen antiker Münzen, die für den Sammlermarkt hergestellt werden. Weil Münzen aus Sizilien seit Jahrhunderten beliebte Sammelobjekte sind, gibt es gerade hier schon seit langem einen ausgeprägten Fälschermarkt (1). Die qualitative Spanne ist breit, sie reicht von billigen Touristenfälschungen (2) und Fantasiemünzen bis hin zu aufwändig produzierten Objekten. Oft handelt es sich um Gussfälschungen, also metallene Abgüsse originaler Stücke (3). Es werden aber auch neue Stempel nach antiken Vorbildern geschnitten (4), mit denen Münzen gepresst oder geprägt werden. Besonders gefährlich sind moderne Transferstempelfälschungen (5): Abdrücke echter Münzen werden mittels galvanoplastischer Verfahren zu Stempeln gehärtet. Das Erkennen solcher Fälschungen erfordert ein geschultes Auge, doch wenn abgenutzte echte Münzen als Schrötlinge genutzt werden, sind sie kaum zu entlarven.
Münze 7 | Kopf des Dionysos, dessen Bart über den Perlkreis hinausragt, in Naxos geprägt
Münze 9 | Delphin in sichelförmigem Hafenbecken, in Zankle geprägt
Münze 10 | Delphin in sichelförmigem Hafenbecken, in Zankle geprägt
Objekt 12 | Epinetron, mit Frauenkopf im Profil, in Athen gefertigt
Objekt 14 | Poseidon verfolgt Frau; die Überschneidungen schaffen Raumtiefe, in Athen gefertigt
Objekt 1 | Reisebericht von Alexander Rumpelt, „Sicilien und die Sicilianer“
Leihgabe aus Privatbesitz
Reisebericht von Alexander Rumpelt, „Sicilien und die Sicilianer“, 2. Aufl. 1902
Im aufgeschlagenen Buch lesen wir von den Erlebnissen eines Sizilienreisenden am Ende des 19. Jahrhunderts und finden dort u.a. den Hinweis auf Fälscherwerkstätten auf Sizilien, die besonders die syrakusanischen Prägungen mit dem Bildnis der Quellnymphe Arethusa und der Königin Philistis, der Gattin Hierons II. (der 269 – 215 v. Chr. über die Stadt herrschte), also die bekannten großformatigen Silbermünzen im Blick haben: „Es soll eine richtige Fabrik von falschen antiken Münzen hier geben.“ Von welcher Qualität solche Fälschungen waren, davon steht in dem Bericht nichts.
Objekte 2 | Konvolut von sog. Touristenfälschungen






Inv. MF 79, MF 80, MF 86 u.a.
Konvolut von sog. Touristenfälschungen
unterschiedliche Buntmetall-Legierungen
https://archaeologie.uni-muenster.de/ikmk/object?id=ID4322
Diese billigen Fälschungen imitieren die bekannten silbernen Tetra- und Dekadrachmen mit dem Wagengespann und Bildnis der Quellnymphe Arethusa. Weder in ihrer Materialität, Herstellung noch Gewicht stimmen sie mit den wertvollen Vorbildern überein. Auch stilistisch können sie in keiner Weise überzeugen und lassen die künstlerische Qualität der Originale nur vage erahnen.
Objekte 3 | Moderne Gussfälschungen von antiken Bronzemünzen




Inv. M 8199 und M 8454
moderne Gussfälschungen von antiken Bronzemünzen aus Adranon (ca. 340 – 330 v. Chr.) und Herbessos (ca. 335 – 325 v. Chr.)
Diese Objekte kommen den Originalmünzen sehr nahe und sind nicht auf den ersten Blick als Fälschungen zu entlarven. Anders als antike Münzen sind sie aber nicht mit dem Hammerschlag geprägt, sondern von Abdrücken echter Münzen abgegossen. Die Konturen sind nicht so scharf wie bei geprägten Münzen, und wir können meist die originalen Vorbilder nachweisen.
Objekte 4 | geschnittene Stempel und Fälschungen von Silbermünzen aus Syrakus






Leihgaben aus Privatbesitz und Inv. M 9305, M 9306, M 9307 u.a.
geschnittene Stempel und Fälschungen von Silbermünzen aus Syrakus
https://archaeologie.uni-muenster.de/ikmk/object?id=ID4319
Wie bei Objekt 1 angesprochen waren und sind besonders Arethusa- und Philistismünzen als Sammelobjekte beliebt, weshalb sie seit langem gefälscht werden. Die Qualität ist dieser Fälschungen ist deutlich besser als die unter Objekt 2 gezeigten Touristenfälschungen, doch sind sie z.T. „zu perfekt“, die Farbigkeit spricht gegen antikes Material, es wurden moderne Stempel verwendet. Diese Fälscherstempel sind nach antiken Vorbildern neu geschnitten worden .
Objekte 5 | Gravierwerkzeuge und eiserner Stempelrohling sowie ein Konvolut von Transferstempeln mit einigen dazugehörigen Fälschungen









Leihgaben aus Privatbesitz und Inv. M 8342, M 8966, M 9375
Gravierwerkzeuge und eiserner Stempelrohling sowie ein Konvolut von Transferstempeln mit einigen dazugehörigen Fälschungen
M 8342 Bronzemünze aus Alaisa Katane (ca. 402 – 400 v. Chr.)
https://archaeologie.uni-muenster.de/ikmk/object?id=ID4331
M 8966 Bronzemünze aus Piakos (ca. 420 – 400 v. Chr.)
https://archaeologie.uni-muenster.de/ikmk/object?id=ID4335
M 9375 Bronzemünze aus Lipara (ca. 420 – 400 v. Chr.)
https://archaeologie.uni-muenster.de/ikmk/object?id=ID4488
Fälschungen aus Transferstempeln sind besonders schwierig als solche zu erkennen, da sie wie antike Münzen geprägt (nicht gegossen) werden, und zwar aus Stempeln, die von echten Originalen abgenommen worden sind. Oft werden zudem als Rohlinge alte, schlecht erhaltene Originalmünzen verwendet, die eine neue Prägung bekommen. Nur aufwändige Stempelstudien und der Abgleich mit solchen wie den hier gezeigten Fälscherstempeln können Stücke als „falsch“ entlarven. Das Nebeneinanderstellen von Stempel und daraus geschlagener Münze verdeutlicht den modernen Herstellungsprozess.