














Sport
Das antike Griechenland gilt als außerordentlich sportlich, so dass man auch die Behauptung lesen kann, dass die gesamte Gesellschaft in einer Art Wettkampfprinzip organisiert ist. In der Auseinandersetzung geht es allerdings nicht wie heute um Medaillen und Platzierungen, sondern nur um den Sieg.
Zu Ehren der Götter und der Verstorbenen können bisweilen sehr umfangreiche Sportfeste wie Olympische Spiele stattfinden. Die wichtigsten Disziplinen im Stadion (stadion ursprünglich die Bezeichnung der Laufbahnlänge von ca. 200 m) sind im Fünfkampf organisiert: Ringen (1+2), Laufen, Weitsprung (3), Diskus- (4) und Speerwurf (5). Hinzu kommen die Kampfsportarten Boxen (5+6) und Allkampf/pankration – ein nahezu regelloser Zweikampf mit metallbewehrten Handschuhen.
Der nur von Vermögenden betriebene Pferdesport findet im hippodrom (wörtl. übersetzt Pferdeweg) statt: Reiten (7) und Wagenrennen (8).
Ein junger Mann kann sich dem Sport gar nicht entziehen, da im Laufe der Zeit auch die nun aufwendigeren Trainingsgebäude (gymnasion und palästra) nicht nur der sportlichen Übung, sondern auch der geistigen Bildung gewidmet sind. Auf einem Tongefäß (9) wird ein verstorbener junger Mann als erfolgreicher Sportler gefeiert, denn zwischen seinem Begleiter (pädagogos wörtlich übersetzt Knabenbegleiter) mit Reinigungsgerät und einem Parfumfläschchen (strigilis und amphoriskos) und ihm steht das Siegespreis-Gefäß, auf dem ein Wettlauf wiedergegeben ist. Amtlich beschriftete Siegespreisamphoren gibt es in Athen seit dem 6. Jh. v. Chr. (10-12). Stoffbinden und Gefäße sind weitere Auszeichnungen von Sportlern (13+14).
Objekt 1 | Figurinengruppe / Ringkampf
Objekt 2 | Münze / Ringkampf
Objekt 3 | Trinkschale / Weitsprung
Objekt 4 | Diskus
Objekt 5 | Salbölgefäß (lekythos) / Speerwerfer, Boxer und Trainer
Objekt 6 | Mischgefäß (Kolonettenkrater)/ Boxkampf
Objekt 7 | Trinkschale (sog. Kleinmeisterschale) / Reiterkampf
Objekt 8 | Vorratsgefäß (amphora) / Wagenrennen
Objekt 9 | Duftölgefäßgefäß (lekythos) / Viergespann und Apobat
Objekt 10 | Siegespreisgefäß / verstorbener Jüngling mit Siegespreis und Begleiter (paidagogos)
Objekt 11 | Fragmente einer verkleinerten Imitation einer sogenannten Panathenäischen Preisamphore/ Athena zwischen Säulen
Objekt 12 | Münze (Tetradrachme)/ Eule auf Siegespreisgefäß
Objekt 13 | zwei Scherben eines Siegespreisgefäßes (Panathenäische Preisamnphore)
Objekt 14 | Duftölgefäß (lekythos) / Siegesgöttin Nike
Objekt 15 | Würfelknöchelchen (astragalos)
Objekt 1 | Figurinengruppe / Ringkampf

Figurinengruppe / Ringkampf
aus Ton
römische Kaiserzeit (ca. 1.–3. Jh. n. Chr.)
Zwei Liebesgötter (amores) sind als Ringkämpfer wiedergegeben.
Inv. 1082 – ehemals Sammlung Eheleute Görtz-Strötgen
In der römischen Kunst ist die Darstellungen von Amores in menschlichen Aktionen weit verbreitet. Auf vielen Kindersarkophagen ersetzen sie heroische oder andere Akteure und Akteurinnen, z.B. bei der Jagd, beim dionysischen Kelterfest oder bei Sport und Spiel.
Objekt 2 | Münze (Stater)


Münze (Stater) / Ringkampf
10,59 g; Dm 22 mm; Stempelstellung 11 h
ca. 380/375–330/325 v. Chr. in Aspendos/Pamphylien (Türkei) geprägt
zwei nackte Ringer im Wettkampf
Inv. M 3744 – ehemals Sammlung Horst Rosenberg
Über 200 Jahre prägt die Stadt Aspendos auf Münzen Ringkampfbilder mit 16 verschiedenen Kampfsituationen – ein Hinweis auf ein berühmtes Sportfestival?
für weitere Informationen:
https://archaeologie.uni-muenster.de/ikmk/object?id=ID4148
Objekt 3 | Trinkschale

Trinkschale
aus Ton
aus Athen (attisch-rotfigurig)
ca. 500 v. Chr. – Werkstatt, die Elemente des Euergides-Malers mit denen des Epeleios-Malers kombiniert
Im Innenbild ist ein Weitspringer mit Sprunggewichten (halteres) wiedergegeben.
Inv. 5991 – ehemals Sammlung Dietmar Jordan
Die Bedeutung des sportlichen Wettkampfes für die athenische Jugend wird auch in der umlaufenden Legende deutlich: Ο ΠΑΙΣ ΚΑΛΟΣ – Der Knabe ist schön.
Objekt 4 |Diskus

Diskus
aus Marmor
gefunden wohl in einem Grab bei Anavyssos südlich von Athen
ca. 515 v. Chr.
Nicht nur das Gewicht, sondern auch die Inschrift verweist auf einen Grabzusammenhang. Als Beigabe soll dieses Gerät auf die Sieghaftigkeit des Bestatteten hinweisen, der bei Spielen zu Ehren eines anderen Verstorbenen diesen Diskus als Trophäe erhalten hat.
Inv. 2071 – ehemals Sammlung Wener Peek
Beschriftete Diskoi sind extrem selten. Dieses Exemplar ist als Fälschung verdächtigt worden, weil ein Schreibfehler eini statt eimi so interpretiert worden ist. Unser Freund und Althistoriker Klaus Freitag hat allerdings erkannt, dass ein Teil des eingetieften my erhalten ist; der Rest war wohl durch die Einfärbung der Buchstaben mit roter Farbe zu erkennen.
für weitere Informationen siehe:
https://westfalen.museum-digital.de/object/177
Objekt 5 | Duftölgefäß / Sportler und Trainer

Duftölgefäß / Sportler und Trainer
aus Ton
aus Athen (attisch-schwarzfigurig)
Das Hauptbild zeigt vier Personen: nackter Jüngling mit Speer links, ein mit einem Mantel bekleideter Mann, der sich auf einen Speer stützt, ein weiterer nackter Jüngling, ebenfalls mit Speer, ein Manteljüngling mit zwei Speeren in der rechten Hand. Gefäßschulter: drei Manteljünglinge.
ca- 525–500 v. Chr. – Phanyllis-Gruppe
Inv. 893 – ehemals Sammlung Eheleute Görtz-Strötgen
Figur eins und drei scheinen jeweils eine Hand mit den für Boxer typischen Lederriemen umwickelt zu haben. Diese Darstellung von jugendlichen Sportlern und einem Trainer wird in einer Trainingseinrichtung (gymnasion bzw. palaistra) zu verorten sein.
für weitere Informationen:
https://westfalen.museum-digital.de/object/19
Objekt 6 | Mischgefäß (sog. Kolonettenkrater) zum Mischen von Wein und Wasser / Boxkampf

Mischgefäß (sog. Kolonettenkrater) zum Mischen von Wein und Wasser / Boxkampf
aus Ton
aus Athen (attisch-schwarzfigurig)
ca. 500 v. Chr.
Diese Seite zeigt einen Boxkampf. Beide Athleten treten wie in der Antike üblich nur mit Handriemen versehen gegeneinander an.
Inv. 894 – ehemals Sammlung der Eheleute Görtz-Strötgen
für weitere Informationen siehe:
https://westfalen.museum-digital.de/object/12
Etwas Besonderes sind die Spuren von antiker Reparatur: Zwischen Fuß und Gefäßunterteil sind mit Blei vergossene Bronzeklammern eingefügt. Derartig reparierte Gefäße sind insbesondere durch etruskische Funde bezeugt. Dort (in der heutigen Toskana) galt es, die von weither gehandelten Gefäße als Prestigegut zu bewahren.
Objekt 7 | Trinkschale (sog. Kleinmeisterschale) / Pferderennen

Trinkschale (sog. Kleinmeisterschale) / Pferderennen
aus Ton
aus Athen (attisch-schwarzfigurig)
ca. 510 v. Chr.
Diese Seite zeigt einen nackten, sich umblickenden jugendlichen Reiter, auf der Gegenseite befindet sich ein weiterer Reiter, so dass beide Seiten ein Pferderennen wiedergeben.
Inv. 297 – ehemals Sammlung Otto Rubensohn
weitere Informationen unter:
https://westfalen.museum-digital.de/object/584
Objekt 8 | Vorratsgefäß / Viergespann

Vorratsgefäß / Viergespann
aus Ton
aus Korinth (korinthisch-schwarzfigurig)
Ein Viergespann mit Wagenlenker mit Stachelinstrument zum Antreiben der Pferde (kentron) ist im Galopp nach links fahrend dargestellt.
ca. 560 v. Chr.
Inv. 5996 – ehemals Sammlung Dietmar Jordan
Dieses Gespann wird wohl dem Wagenrennen zuzuschreiben sein, da es von einem Wagenlenker in weißem Gewand geführt wird. Sollte es einen Angehörigen der vermögenden Korinther meinen, hätte dieser zusätzlich im Wagenkorb stehen müssen. Ein kriegerischer Kontext ist ebenfalls auszuschließen, da keinerlei Bewaffnung abgebildet ist.
Objekt 9 | Duftölgefäß (lekythos) / Viergespann mit Apobat
Duftölgefäß (lekythos) / Viergespann mit Apobat
aus Ton
aus Athen (attisch-schwarzfigurig)
Ein ganz besonderer Wettkampf ist auf diesem Gefäß abgebildet: das Apobaten-Rennen. Der gerüstete Sportler fährt in einem von einem Wagenlenker geführten Viergespann und speingt während der Fahrt ab, läuft eine gewisse Strecke mit, um dann wieder auf den Wagen aufzuspringen,.
ca. 490–480 v. Chr.
Inv. 1988
Objekt 10 | Vorratsgefäß (Imitation einer panathenäischen Preisamphore) / verstorbener Jugendlicher – Sieger im Wettlauf

Vorratsgefäß (Imitation einer panathenäischen Preisamphore) / verstorbener Jugendlicher – Sieger im Wettlauf
aus Ton
aus Apulien / Süditalien (apulisch-rotfigurig)
ca. 340–320 v. Chr. – Ganymed-Maler
In einer tempelartigen Fassade, die den Eingang von Grabkammern imitiert, stehen sich ein älterer bärtiger Mann und ein nackter Jüngling gegenüber. Zwischen ihnen befindet sich als Siegespreis für einen gewonnenen Wettlauf ein Siegesgefäß. Der Mann links ist dank seiner Tracht als Begleiter des Jünglings (paidagogos) zu benennen. Er trägt Hygieneobjekte – Duftölgefäß und Schaber (strigilis) – des Jugendlichen. Er hatte den Auftrag, diesen vor übergriffigen Männern zu schützen.
Inv. 797
Das Besondere des Bauchbildes ist das Siegesgefäß in Form eines Wassergefäßes (loutrophore), das sonst nicht überliefert ist. Loutrophoren sind typische Grabgefäße für unverheiratet Verstorbene, die somit im Jenseits die Hochzeit vollziehen können.
Objekt 11 | Fragmente einer verkleinerten Imitation einer sogenannten Panathenäischen Preisamphore / Athena zwischen Säulen

Fragmente einer verkleinerten Imitation einer sogenannten Panathenäischen Preisamphore / Athena zwischen Säulen
aus Ton
aus Athen (attisch-schwarzfigurig), rworben in der Umgebung von Cerveteri
Dargestellt ist Athena in Kampfhaltung (promachos) zwischen zwei von Hähnen bekrönten Säulen. Dies ist die typische Dekorationsweise von Panathenäischen Preisamphoren. Allerdings sind diese vom Format deutlich größer und weisen eine Beschriftung an der rechten Säule (s. 12) auf.
ca. 520–510 v. Chr.
Inv. 721 – Stiftung der Stadtsparkasse Münster
In der Regel werden derartige Imitationen – sog. Pseudopanathenäischen Amphoren – für den Export hergestellt. In Etrurien (Toskana/Italien) wurden diese Gefäße häufiger gefunden.
für weitere Informationen:
https://westfalen.museum-digital.de/object/14
Objekt 12 | Münze (Tetradrachme) / Eule auf Preisgefäß

Münze (Tetradrachme) / Eule auf Preisgefäß
aus Silber, 16,07 g; Dm 32 mm; Stempelstellung 11 h
126/125 v. Chr. (nach den in der Legende genannten drei Magistraten Eumenes, Epigenes und Sosandros) in Athen geprägt
Eule – das Symbol der Stadt Athen – auf liegender Preisamphore; li. unten Zikade
Inv. M 4551 – ehemals Sammlung Horst Rosenberg
Diese Prägung des „Neuen Stils“ bezeugt auch noch für das 2. Jh. v. Chr. durch die liegende Amphora als Siegespreis die weiterhin große Bedeutung der Panathenäischen Spiele.
für weitere Informationenb:
https://archaeologie.uni-muenster.de/ikmk/object?id=ID147
Objekt 13 | zwei Scherben eines Preisgefäßes (Panathenäische Preisamphore)


zwei Scherben eines Preisgefäßes (Panathenäische Preisamphore)
aus Ton
aus Athen (attisch-schwarzfigurig)
410–390 v. Chr. – weniger präzise arbeitende Werkstatt nahe Achilleus- und Phiale-Maler
Den Olympischen Spielen an Bedeutung nahestehend finden im Turnus eines Vierjahresabstandes Sportfestspiele in Athen statt: die Panathenäen. Als Siegespreis gab es mit Olivenöl aus den heiligen Hainen der Athena gefüllte Amphoren. Von der Gesamtdarstellung des Bauchbildes der Hauptseite mit Athena im Angriffsstellung zwischen zwei von Hähnen bekrönten Säulen nebst Legende „Von den Festspielen der Athener“ sind hier noch der Säulenschaft und die Buchstaben ΑΘΗΝΗΘΕΝ erhalten.
Inv. 859 – ehemals Sammlung Werner Peek
Der Sieger des Wagenrennens – der höchstdotierte Wettkampf – bekommt 140 Preisamphoren gefüllt mit Olivenöl, dessen Wert (ca. 7.700 Drachmen) dem Mehrfachen eines Jahresgehaltes eines normalen Bürgers (ca. 300 Drachmen) entspricht.
Typisch für diese Amphoren ist der schwarzfigurige Malstil, der selbst in der Zeit des rotfigurigen Stils (ab ca. 525 v. Chr.) und teilweise sogar noch im 2. Jh. v. Chr. beibehalten wird.
für weitere Informationen:
https://westfalen.museum-digital.de/object/3317
Objekt 14 | Salbölgefäß (lekythos) / Siegesgöttin

Duftölgefäß (lekythos) / Siegesgöttin
aus Ton
aus Athen (attisch-rotfigurig)
ca. 450–425 v. Chr.
Die Siegesgöttin Nike fliegt mit typischen Siegespreisen – Stoffband (tainia) und Wassergefäß (hydria) – nach rechts.
Inv. 866 – ehemals Sammlung Werner Peek
Die Kombination von Nike mit Siegespreisen auf einem Duftölgefäß deutet auf Erfolg im Sport
Objekt 15 | Würfelknöchelchen (astragalos)

Würfelknöchelchen (astragalos)
aus Diorit
aus Ägypten (vom Vorbesitzer in Kairo erworben)
ca. 1.–3. Jh. n. Chr.
Dieses Würfelknöchelchen wurde – anders als die mehrheitlich zum Spielen benutzten Exemplare –wohl häufig für magische Aktionen genutzt, da es in den Oberflächen stark abgegriffen ist. Dekoriert ist es mit Symbolen und einer figürlichen Szene: Hermesstab (kerykeion), Keule des Herakles, mit Sternen bekrönte Kappen (piloi) der Dioskuren sowie Preisgefäß und nacktem Mann (Sportler?).
Inv. 505 – ehemals Sammlung Otto Rubensohn)
Derartige mit Reliefdekoration versehene Astragale sind extrem selten.






















































