







Krieg
Krieg als eines der größten Übel der Menschheit ist auch im Altertum ein dauerhaftes Problem. Die zerklüftete Geographie Griechenlands und der Mittelmeerhandel begünstigen wohl diese zwischenstaatlichen Auseinandersetzungen.
Während zunächst Einzelkämpfe (1) bzw. deren Summe eine Schlacht ausmachen, herrscht ab dem 7. Jh. v. Chr. die Kampfesweise mit Kriegerreihen (2, phalanx) vor, in der die Bürger Schulter an Schulter gleichrangig für ihre Stadt streiten. Neben den Schwerbewaffneten (1+2) mit Helm, Brustpanzer, Beinschienen, Schwert, Lanze und Schild sind aber auch leichtbewaffnete Einheiten aktiv, die mit Pfeil (3) und Bogen oder Schleuderblei (4) aus der Ferne schießen. Diese tragen – wenn überhaupt – einen leichten Helm, den pilos (5).
Eine spezielle Situation des sog. Peloponnesischen Krieges zwischen den Bündnissen von Athen und denen von Sparta ist auf einem kleinen Wassergefäß (6, kalpis) widergespiegelt: Im Jahre 415 v. Chr. besetzen die Spartaner eine Festung in Dekeleia und bedrohen somit das Umland von Athen. Offensichtlich durch ein Alarmsignal aufgescheucht, verlässt der junge Kämpfer das Haus. Seine Frau muss ihm das Schwert hinterhertragen, das er in seiner Eile wohl vergessen hat.
Das Thema Krieg spiegelt sich selbstverständlich auch in den Sagen wider, wo z.B. Herakles oder Achilleus gegen eine Amazone (7) oder eine Mänade gegen einen Giganten (8) kämpft.
Objekt 1| Trinkbecher (skyphos)
kriegerischer Zweikampf
Objekt 2| Trinkschale (sogenannte Bandschale)
Kampf von Kriegerreihen
Objektgruppe 3| fünf Pfeilspitzen
Objekt 4| ein Paar Schleuderbleie
Objekt 5| Helm – sogenannter Piloshelm
Objekt 6| kleines Wassergefäß (kalpis)
ins Gefecht ziehender Krieger
Objekt 7| Kanne
Herakles oder Achilleus (?) besiegt Amazone
Objekt 8| Mischgefäß (sog. Kolonettenkrater) zum Mischen von Wein und Wasser
Mänade(?) gegen Giganten
Objekt 1 | Trinkbecher (skyphos) / kriegerischer Zweikampf

Trinkbecher (skyphos) / kriegerischer Zweikampf
aus Ton
aus Athen (attisch-schwarzfigurig)
Zwischen zwei eng in einen Mantel gehüllten, unbärtigen Figuren ist ein kriegerischer Zweikampf dargestellt. Die Krieger tragen ein kurzes Leibgewand, darüber ein Tierfell sowie einen korinthischen Helm und einen Speer.
ca. 520 v. Chr. – entfernt an den Kamel-Maler erinnernd
Inv. 861 – ehemals Sammlung Werner Peek
Nicht nur gemäß der Leserichtung von links nach rechts ist der linke Kämpfer der siegreiche. Erkennbar ist dieser Ausgang des Zweikampfes auch daran, dass der rechte Mann nicht mehr aufrecht steht.
Objekt 2 | Trinkschale (sogenannte Bandschale) / Kampf von Kriegerreihen

Trinkschale (sogenannte Bandschale) / Kampf von Kriegerreihen
aus Ton
aus Athen (attisch-schwarzfigurig)
Konfrontation zweier Kriegerreihen (Phalangen).
ca. 530 v. Chr. – Maler von Villa Giulia 3559
Inv. 4764 – ehemals Sammlung Dietmar Jordan
Die wohl im 7. Jh. v. Chr. in Griechenland eingeführte Kampftechnik von Kriegern (Hopliten) im Reihenverbund – die Phalanx – wird eher selten abgebildet, deshalb ist diese Schale bedeutsam. Beliebter waren Abbildungen von Kriegerduellen, die den Mut eines einzelnen Kämpfers betonen. Tugendhaftes Verhalten eines Einzelnen war wichtiger als die Darstellung der aktuellen Phalanx-Kampfweise.
Objekt 3 | fünf Pfeilspitzen

fünf Pfeilspitzen
aus Bronze
in Gela auf Sizilien gefunden
Die beiden Längeren sind karthagisch,
die drei Kürzeren griechisch.
wohl 405 v. Chr.
Inv. 2314–2318 – ehemals rheinischer Privatbesitz
Eine karthagische Heeresmacht unter dem General Himilkon belagerte und eroberte Gela 405 v. Chr. Zwar durfte die Stadt nach einem Friedensvertrag mit dem Tyrannen von Syrakus – Dionysios I. – wiederbesiedelt werden. Weitere kriegerische Auseinandersetzungen zwischen den Karthagern und der Stadt Gela sind nicht bezeugt, so dass diese Pfeilspitzen mit dem Belagerungskampf des Jahres 405 v. Chr. in Verbindung gebracht werden dürfen.
Objekt 4 |ein Paar Schleuderbleie

ein Paar Schleuderbleie
aus Blei
Schleuderbleie haben die Form einer Olive mit zwei Spitzen. Sie werden ab dem 4. Jh. v. Chr. im Krieg genutzt, indem sie mithilfe einer Schlinge gegen den Feind geschleudert werden. Hierbei wird durch entsprechende Technik das Geschoss um die Mittelachse in schnelle Rotation versetzt, so dass die Fernwaffe (Reichweite ca. 300 m) auch zielsicher genutzt werden kann. Sie können auch beschriftet sein – zumeist mit Namen im Genitiv; makaber ist die Beschriftung „Nimm dies!“.
Inv. 2293+2294
ca. 400–200 v. Chr.
Objekt 5 | Helm – sogenannter Piloshelm

Helm – sogenannter Piloshelm
aus Bronze
aus Süditalien
In der Form an Filzkappen mit dem Namen Pilos angelehnt erlebt der bronzene Piloshelm seine Blüte besonders von ca. 420–200 v. Chr. Dies hängt auch damit zusammen, dass er gern von leichtbewaffneten Heereskontingenten (z.B. Peltasten) getragen wurde, die ab ca. 420 v. Chr. in der griechischen Kriegstaktik wichtiger wurden.
ca. 400–300 v. Chr.
Inv. L GE G 109 – Dauerleihgabe der Stadt Gelsenkirchen
Objekt 6 | kleines Wassergefäß (kalpis) / ins Gefecht ziehender Krieger

kleines Wassergefäß (kalpis) / ins Gefecht ziehender Krieger
aus Ton
aus Athen (attisch-rotfigurig)
Krieger in heroischer Nacktheit mit zwei Speeren und nur mit Schultermantel und Reisehut bekleidet verlässt eilig sein Zuhause. Seine Frau bringt ihm noch sein Schwert.
ca. 420–410 v. Chr. – Zeitgenosse des Schuwalow-Malers
Inv. 868 – ehemals Sammlung Werner Peek
Kriegerabschieds-Bilder zu Zeiten des Peloponnesischen Krieges (431–404 v. Chr.) spiegeln deshalb zeitgenössische Sorgen wider, da die Spartaner durch Besetzung der Festung von Dekeleia nördlich von Athen ab 415 v. Chr. permanent für kleinere kriegerische Scharmützel sorgen konnten.
Objekt 7 | Kanne / Herakles oder Achilleus (?) besiegt Amazone

Kanne / Herakles oder Achilleus (?) besiegt Amazone
aus Ton
aus Apulien / Süditalien (apulisch-rotfigurig)
bärtiger Held (Herakles oder Achilleus?) besiegt Amazone; weitere berittene Amazone links
ca. 320–310 v. Chr. – Nachfolge des Baltimore-Malers
Inv. 6002 – ehemals Sammlung Dietmar Jordan
Diese Kanne war eindeutig für den Totenkult bestimmt, denn sie hat als Grabbeigabe keinen Boden und kann somit keine Flüssigkeit aufnehmen.
Mythische Kämpfe wie die der Griechen gegen die Amazonen, der Götter gegen die Giganten oder der Griechen gegen die Kentauren sind sehr beliebt. Sie werden gern als gleichnishafte Vergleichsfolie für zeitgenössische Kriege genutzt.
Objekt 8 | Mischgefäß (sog. Kolonettenkrater) zum Mischen von Wein und Wasser / Mänade(?) gegen Giganten

Mischgefäß (sog. Kolonettenkrater) zum Mischen von Wein und Wasser / Mänade(?) gegen Giganten
aus Ton
aus Athen (attisch-rotfigurig)
ca. 470–460 v. Chr. – Gruppe der frühen Manieristen
Halsbild: Szene in der Pferderennbahn (hippodromos) mit zwei Reitern und einem Trainer sowie einem Jüngling; links eine Wendesäule
Das Hauptbild zeigt wohl eine Mänade einen Giganten besiegend – ein Auszug aus dem Kampf der Götter gegen die Giganten (gigantomachia).
Inv. 4772 – ehemals Sammlung Dietmar Jordan
Bemerkenswert ist die zur Zeit der Herstellung des Gefäßes bereits veraltete schwarzfigurige Malweise für die Trainingsszene auf dem Hals des Gefäßes.

























