Die Quellnymphe Arethusa ist das wohl bekannteste Gesicht der sizilischen Münzprägung. Dem zunächst in Griechenland spielenden Mythos nach beschützt die Göttin Artemis ihre Gefährtin vor dem zudringlichen Flussgott Alphaios, indem sie sie in eine Quelle verwandelt. Diese führt sie unterirdisch von der Peloponnes bis nach Sizilien. In Ortygia, der Altstadt von Syrakus, tritt Arethusa direkt am Meer als Süßwasserquelle wieder zutage.

In der Gestalt der Arethusa wird die Bedeutung von Süßwasser für die Mittelmeerinsel deutlich – die Lebensgrundlage für Stadt und Region. Sie wird zum charakteristischen Symbol von Syrakus und weit darüber hinaus. Üblicherweise ist ihr Profilkopf von Delphinen umgeben, die ihre Verortung in unmittelbarer Meeresnähe verdeutlichen. Über die Zeit wird ihr Bildnis immer wieder variiert (1), die Frisur aufwändiger, Schmuckstücke wie Perlenketten, Ohrringe, Kränze oder Haarbänder unterstreichen ihre Anmut. Besonders eindrucksvoll sind die Darstellungen auf den großen Dekadrachmen des späten 5. Jahrhunderts v. Chr. (2) und auf den Münzen, die sie mit voluminösen Locken im Dreiviertelprofil zeigen – fast schwebend im Wasser. Die Wendung des Gesichts aus der Münze heraus wirkt von hier aus weiter auf Münzen im gesamten Mittelmeerraum.

Die syrakusanischen Münzen dienen auch als Vorlage für Medaillons, welche die sogenannten Arethusa-Schalen zieren. Dieses Stück (3) aus einer Werkstatt in Kampanien ist wohl Anfang des 3. Jahrhunderts v. Chr. hergestellt worden.

Objekt 1 | Arethusa-Münzen

Tetradrachmen
Silber

Objekt 2 | Dekadrachme

Leihgabe des der Ruhr-Universität Bochum, Kunstsammlungen der Ruhr-Universität
Inv. M 723
Silber
39,99 g; Dm 35 mm; Stempelstellung 10 h
400–370 v. Chr., in Syrakus geprägt, von Euainetos gestaltet

https://mk-bochum.ikmk.net/object?id=ID1300

Objekt 3 | sog. Arethusa-Schale

Leihgabe des Universität Göttingen Inv. Hu 531a
Ton
H 4,8 cm; Dm (mit Henkeln) 18,1 cm
Anfang 3. Jh. v. Chr., aus Kampanien