Gründungsdaten der einheimischen Siedlungen der Elymer, der Sikaner und der Sikuler sind schwierig zu ermitteln: Nach dem Historiker Thukydides gründen Flüchtlinge aus Troja in der Nachbarschaft der Sikaner die Städte Eryx und Segesta und erhalten alle zusammen den Namen Elymer; die elymische oder sikanische Stadt Motya soll im 8./7. Jh. entstanden sein; Kentoripai gilt als sikulische Gründung vor dem 6. Jh. v. Chr. An der Küste Siziliens siedeln sich Griechen und Punier an: Die Griechen gründen Naxos 734 v. Chr., Syrakus 733 v. Chr.; 729 v. Chr. Leontinoi und Katane; Megara Hyblaia 728; Zankle im 8. Jh. v. Chr.; Gela 689/688 v. Chr. Punische Gründungen vom Ende des 7. Jh. sind Panormos und Solous.

In den griechischen Kolonien ist besonders häufig Keramik aus der Stadt Korinth nachgewiesen, die den Exportmarkt bis ca. 550 v. Chr. beherrscht. Die Büchse (1 pyxis) mit Tierfries nach Vorbild des Vorderen Orients ist 595/90 – 570 v. Chr. hergestellt worden. Das spätkorinthische Salbölgefäß (2 aryballos) mit springendem Pferd datiert auf 570 – 550 v. Chr. Danach beherrschen Importe aus Athen den Keramikmarkt von Sizilien: Die Kanne (3 olpe), hergestellt ca. 500 – 480 v. Chr. in Athen, ist in Selinunt erworben worden. Einheimische Produkte wie der bronzene Oberkörper eines Musikanten (4) imitieren griechische Vorbilder ebenso wie die Tempelarchitektur.

Das Fragment (5) von dem vermutlich der Göttin Hera geweihten Tempel E in Selinunt (um 460 – 450 v. Chr.) bezeugt die Farbigkeit der Sakralbauten.

Objekt 1 | Büchse (pyxis): Wasservogel zwischen Panthern, Widder

Inv. 724
Ton
H 10 cm; Dm 14,6 cm
ca. 595/90 – 570 v. Chr., mittelkorinthisch

Die Gefäßschulter ziert ein Schuppenband, der darunterliegende Tierfries wird oben und unten von Glanztonlinien eingerahmt. Abgebildet sind ein nach rechts laufender Wasservogel mit erhobenen Flügeln, ihm zugewandt jeweils ein Panther, ein nach links schreitender Widder. Die Panther und der Widder sind wie auch der Vogel mit roten Verzierungen versehen. Manche der zahlreichen größtenteils geritzten Rosetten sind ebenfalls rot dekoriert. Das Gefäß ist ein korinthisches Produkt, das nach Sizilien importiert wurde.

Objekt 2 | Salbölgefäß (aryballos): nach links springendes Pferd

Inv. 582
Ton
H 5,9 cm; Dm 5,9 cm
ca. 570 – 550 v. Chr., spätkorinthisch, Pony-Maler

Der Aryballos aus dem mittleren 5. Jh. v. Chr. ist auf der Mündungsplatte mit drei konzentrischen Kreisen verziert. Die Außenseite bedeckt eine breite Linie, die Schulter ein Zungenband. Auf der Vorderseite ist das Hauptmotiv von zwei umlaufenden Linien eingerahmt: Es ist ein nach links springendes gezäumtes Pferd abgebildet. In der Fläche sind einige Rosetten und Punkte eingestreut.

Objekt 3 | Kleine Kanne (olpe): zwei Männern und ein Jüngling mit Hund

Inv. 38
Ton
H 12,5 cm; max. Dm 6,5 cm
ca. 500 – 480 v. Chr., attisch-schwarzfigurig, Punkt-Efeu-Gruppe, aus Athen

Das Kännchen aus dem 5. Jh. v. Chr. bildet eine sogenannte Palästra-Szene ab. Es stehen sich wohl in einer Trainingsanlage (palaistra) ein älterer bärtiger Mann und ein bartloser Jüngling mit Hund gegenüber; rechts ein bärtiger, sich umblickender Mann nach rechts gehend. Diese Art der homoerotischen Beziehung war in Griechenland weit verbreitet und angesehen, da der ältere Partner den Jungen gewissermaßen in die Erwachsenenwelt einführen und ihn kriegerische Tüchtigkeit und einen tugendhaften Charakter lehren sollte. Der sexuelle Gesichtspunkt sollte dabei idealerweise nicht im Vordergrund stehen. Ein Knabenbegleiter (paidagogos) stand Jungen aus wohlhabenden Familien zur Seite, um sie vor unerbetener Werbung zu schützen.

Objekt 4 | Statuette eines Musikanten

Inv. 2372
Bronze
H 2,78 cm; B 2,21 cm; T 1,31 cm
Ende 6. Jh. v. Chr., in Westsizilien hergestellt

Dieses Stück lässt sich zeitlich und geographisch nur schwer einordnen. Lediglich auf Sizilien finden sich zwei Parallelen hinsichtlich der Kopf-, Arm- und Handgestaltung, welche sich in das 6. Jh. v. Chr. einordnen lassen. Beide Vergleichsstücke offenbaren eine Einflussnahme der griechischen auf die sizilische Kultur. Auch das Musikinstrument – eine kithara – der Oberkörper-Figur bezeugt das Nachahmen griechischer Kultur.

Objekt 5 | Fragment von Tempeldekoration

Inv. 4531
Ton
H 7,2 cm; B 8,7 cm; T 13 cm
Tempel E – der Göttin Hera gewidmet – von Selinunt, ca. 465–450 v. Chr.

Auch Tempel E in Selinunt orientiert sich wie viele Tempel auf Sizilien an der griechisch-dorischen Architektur – in diesem Falle an dem Zeustempel von Olympia. Dieser der Hera, der Gattin des Zeus, gewidmete Tempel zeigt aber auch die typischen unteritalischen Besonderheiten: ein Allerheiliges im hinteren Bereich der Cella, Betonung der Front durch Stufenanlage und reiche tönerne Dekorationen des Gebälkes. Das hier ausgestellte Fragment stammt vom Bereich der Metopen.