















Gelage
Wenn Sie die Schale (2) mit den gelagerten Männern betrachten, eröffnet sich die Welt des Gelages auf einen Blick. Beteiligt sind nur Männer, die auf zum Teil aufwendigen Liegen speisen und trinken. Dennoch ist nicht Essen und Trinken der zentrale Anlass, sondern das Gespräch. Es geht um das sich Miteinander-Abstimmen. Dies reicht vom konventionellen Geplauder über formalisierte Trinksprüche bis hin zur politischen Konspiration.
Das Gelage wird in strengen Abläufen organisiert: Nach dem Mahl wird der Götter gedacht und geopfert und daraufhin bestimmt der „Herrscher des Gelages“ (symposiarch) das Tempo und die Art und Weise des Trinkens. Dieser vom Hausherren bestimmte Gast gibt vor, in welchem Mischungsverhältnis Wein und Wasser (1 : 3–4 Teilen) im Krater (1) vermengt werden. Platon überliefert eine Situation um seinen Lehrer Sokrates, in der dieser anordnet, aus einer großen Schale (2), die von Teilnehmer zu Teilnehmer herumgereicht wird, zu trinken, weil er selbst verkatert nur nippen möchte. Eine Augenschale (3) mit Penisfuß deutet einen weiteren Aspekt an – Erotik während des Symposions.
Das Tafelgeschirr ist außerordentlich facettenreich: Teller (4), kleine Gewürznäpfe (5–6) und Öl- bzw. Essenzgefäße (7–8) gehören zum Bereich des Essens. Trinkgefäße (9 kleine Schale; 10–12 Becher / skyphos bzw. kantharos und in Form eines Widderkopfes) und eine Kanne (13) gehören zum Gelage. Große Amphoren (14) dienen zum Transport von Wein.
Trunkenheit galt als unschicklich, dennoch zieht man bisweilen zumindest beschwipst in einem sogenannten Komos-Tanz (15) los und neckt seine Nachbarn bzw. politischen Gegner. Und was es mit dem lesenden Affen (16) auf sich hat, erfahren Sie, wenn Sie den QR-Code scannen.
Objekt 1| Mischgefäß
Mänaden und Satyrn
Objekt 2| Trinkschale (sog. Sianaschale)
Trinkgelage
Objekt 3| Trinkschale (sog. Augenschale)
Objekt 4| Fischteller
Objekt 5| Napf
Objekt 6| Napf
Objekt 7| Gefäß für Öl (guttus)
Objekt 8| Gefäß für Essenzen
trinkende Frau
Objekt 9| Trinkschale
Objekt 10| Trinkbecher (skyphos)
Objekt 11| Trinkbecher (kantharos)
Objekt 12| Trinkbecher in Form eines Widderkopfes
Objekt 13| Kanne
Objekt 14| Salbölgefäß (lekythos)
Objekt 15| Trinkschale (sog. Komastenschale)
Komastentanz
Objekt 16| Lampengriff
lesender Pavian
Objekt 14| Salbölgefäß (lekythos)
Objekt 1 | Mischgefäß (sog. Glockenkrater) zum Mischen von Wein und Wasser / Mänaden und Satyrn

Mischgefäß (sog. Glockenkrater) zum Mischen von Wein und Wasser / Mänaden und Satyrn
aus Ton
aus Athen (attisch-rotfigurig)
ca. 400 v. Chr. – Nähe Kadmos-Maler
Wesen aus dem Umfeld des Weingottes Dionysos – Satyrn und Mänaden – mit typischen Attributen: Weintraube, Thyrsosstab, Kantharos; Doppelflöte und Saiteninstrument stehen für die in den dionysischen Festen fest verankerte Musik.
Inv. 900 – ehemals Sammlung Eheleute Görtz-Strötgen
Dieses Vasenbild steht für den Beginn von paradiesisch anmutenden dionysischen Szenen, die im 4. Jh. v. Chr. dann auf die zunehmende Verbreitung von Mysterienkulten und deren Verknüpfung mit neuen Jenseitsvorstellungen zurückzuführen sind.
für weitere Informationen:
https://westfalen.museum-digital.de/object/17
Objekt 2 | Trinkschale (sog. Sianaschale) / Trinkgelage

Trinkschale (sog. Sianaschale) / Trinkgelage
aus Ton
aus Athen (attisch-schwarzfigurig)
ca. 560 v. Chr. – Werkstatt des C-Malers
Vier Männer liegen beim Trinkgelage (symposion) auf ihren Speisesofas (klinai), darüber hängen an der Wand angebrachte Kränze. Vor den Klinen befinden sich Tische mit Speisen, darunter stehen Fußschemel.
Inv. 579
Das Bemerkenswerte an diesem Gelagebild ist das Fehlen eines Trinkgefäßes in den Händen der Zecher. Es bezeugt den hohen Anspruch der Hersteller an ihre Käufer, denn diese mussten erkennen, dass die Trinkschale als Träger des Bildes in dieses übertragen werden muss. Die überdimensionale Größe des Gefäßes legt nahe, dass es zwischen den Trinkgenossen hin- und hergegeben worden ist.
https://westfalen.museum-digital.de/object/9für weitere Informationen:
https://westfalen.museum-digital.de/object/9
Objekt 3 | Trinkschale (sog. Augenschale)

Trinkschale (sog. Augenschale)
aus Ton
aus Athen (attisch-schwarzfigurig)
ca. 520–510 v. Chr. – beeinflusst von Krokotos-Werkstatt
Die Schalenaußenseite ziert ein Augenpaar, gerahmt von Weinranken.
Inv. 5999 – ehemals Sammlung Dietmar Jordan
Der Fuß in Form eines männlichen Geschlechtsteils ist extrem selten, bisher sind nur fünf derartige Schalen in der Fachliteratur erwähnt.
rechts:
Auf dem oberen Glasboden präsentieren wir sog. Glanztonkeramik, das Alltagsgeschirr der griechischen Welt:
Objekt 4 | Fischteller

Fischteller
aus Ton
aus Athen
ca. 375 v. Chr.
Inv. 2532
Objekt 5 |Napf

Napf
aus Ton
aus Athen
ca. 425–400 v. Chr.
Inv. 2422 – ehemals Sammlung Ernst-Ulrich Walter
Objekt 6 | Napf

Napf
aus Ton
aus Apulien bzw. Kampanien (Unteritalien)
ca. 350–300 v. Chr.
Inv. 917 – ehemals Sammlung Eheleute Görtz-Strötgen
Objekt 7 | Gefäß für Öl (guttus)


Gefäß für Öl (guttus)
aus Ton, Reliefbild: Kopf des jugendlichen Herakles n. re.
aus Kampanien (Unteritalien)
ca. 300 v. Chr.
Inv. 1010 – ehemals Sammlung der Eheleute Görtz-Strötgen
Objekt 8 | Gefäß für Essenzen / trinkende Frau

Gefäß für Essenzen / trinkende Frau
aus Ton
von Sizilien
Das figürliche Gefäß besteht aus einer auf einer Matratze gelagerten alten Frau, einem Ausgussloch an der Seite sowie einer Füllöffnung mit Sieb und einem Ringhenkel auf der Rückseite.
ca. 270–240 v. Chr.
Inv. 1020 – ehemals Sammlung der Eheleute Görtz-Strötgen
In diesem Gefäß für Essenzen ist eine völlig verkehrte Welt zu greifen. Matratze und Kopfkissen – ein Weinschlauch – deuten auf ein Gelagesofa (kline), welches eigentlich nur von Männern genutzt wird. Die gelagerte Alte trinkt aus einer kleinen Kanne und hat noch eine große in Reserve – damit ist sie der konkrete Gegenpart zur Hausfrau und Mutter, für die ein Trinkgelage unschicklich ist. In der Dickleibigkeit könnte ein Hinweis auf den ehemaligen Beruf dieser Frau verborgen sein, denn in der antiken Literatur werden insbesondere Hetären – eine Art Prostituierte – als dickleibig und trunksüchtig diffamiert, weil sie – älter geworden – keinen Erfolg mehr bei Männern haben.
weiere Informationen unter:
https://westfalen.museum-digital.de/object/249
Objekt 9 | Trinkschale

Trinkschale
aus Ton
aus Athen
Diese flache Trinkschale ist im Innern mit einer gestempelten Dekoration versehen: innen ein Eierstab, außen mit geritzten Linien verbundene Palmetten.
ca. 430–420 v. Chr.
Inv. 982 – ehemals Sammlung Eheleute Görtz-Strötgen
Objekt 10 | Trinkbecher (skyphos)

Trinkbecher (skyphos)
aus Ton
aus Athen, gefunden in Selinunt / Sizilien
ca. 450–430 v. Chr.
Inv. 583
Objekt 11 | Trinkbecher (kantharos)

Trinkbecher (kantharos)
aus Ton
aus
ca. 350–300 v. Chr.
Inv. L GE G 41 – Dauerleihgabe der Stadt Gelsenkirchen
Objekt 12 | Trinkbecher in Form eines Widderhornes

Trinkbecher in Form eines Widderhornes
aus Ton
aus Kampanien (Italien)
ca. 350–300 v. Chr.
Inv. 4782 – ehemals Sammlung Dietmar Jordan
Die schwarzfigurige Dekoration des Becherrandes wirkt altertümlich, weil diese Malweise eigentlich seit der Erfindung der rotfigurigen Technik (ca. 525 v. Chr.) nicht mehr aktuell ist. Da diese Technik aber immer wieder angewendet wird, darf man überlegen, ob damit eine gewisse Altehrwürdigkeit angestrebt wurde.
Objekt 13 | Kanne
Kanne
aus Ton
aus Tunesien – sogenannte nordafrikanische Terra Sigillata
Die Kanne in Form eines lockigen Männerkopfes gehört zur sogenannten Navigius-Ware, weist aber nicht – wie viele Stücke dieser Werkstatt – eine eingeritzte Legende auf dem Hals auf.
ca. 290–320 n. Chr.
Inv. 4377 – ehemals westfälischer Privatbesitz
Objekt 14 | Salbölgefäß (lekythos) / zwei Männer mit Transportamphore

Salbölgefäß (lekythos) / zwei Männer mit Transportamphore
aus Ton
aus Athen (attisch-schwarzfigurig)
ca. 530 v. Chr.
Zwei nackte Männer tragen an einer Stange eine Transportamphore, aus der Qualm aufsteigt – ein Glühweintransport?
Inv. 854 – ehemals Sammlung Werner Peek
Der aus der Mündung der Amphore aufsteigende Qualm ist einzigartig und wäre gut erklärbar, wenn ein Transport von Glühwein gemeint ist. Bezeugt ist diese Art des Weingenusses bei dem Autor Athenaios von Naukratis, Das Gelehrtenmahl 11, 464b–d.
für weitere Informationen siehe:
https://westfalen.museum-digital.de/object/15
Objekt 15 | Trinkschale / Komastentanz

Trinkschale / Komastentanz
aus Ton
aus Athen (attisch-schwarzfigurig)
Zwei nackte Zecher mit Langhaarfrisur tanzen. Da der eine von ihnen ein Trinkhorn hält, darf angenommen werden, dass es sich um sogenannte Komasten handelt. Der Komos-Tanz schließt sich einem Trinkgelage (symposion) an, indem die angetrunkenen Symposiasten unter Gesang tanzend das Haus verlassen. Dabei können dann auch politische Gegner Ziel sein, indem man vor deren Häusern Spottgesänge anstimmt.
ca. 570 v. Chr. – Falmouth-Maler
Inv. 580
Trunkenheit gilt in der griechischen Antike als verpönt, dennoch gelangt sie im Zusammenhang mit Trinkgelagen immer wieder zur Darstellung. Offensichtlich kann in diesem rituellen Zusammenhang ein kurzes Ausbrechen aus der vernunftgesteuerten Welt geduldet werden.
Objekt 16 | Lampengriff / lesender Pavian

Lampengriff / lesender Pavian
aus Ton
aus Knidos (Südwesttürkei)
hockender, in Mantel gekleideter Pavian, der in einer Schriftrolle liest
Leider nicht erhalten ist der überdimensionale Penis (phallos), in dessen Eichel sich das Dochtloch befand.
ca. 70–200 n. Chr.
Inv. 384 – ehemals Sammlung Otto Rubenssohn
In der Antike werden dressierte Affen als Spaßmacher und groteske Imitatoren menschlichen Verhaltens gehalten. Der Text auf der Schriftrolle „der auf die Tafel/den Teller springt“ geben lesende Intellektuelle der Lächerlichkeit preis. Durch den Phallos werden sie aber auch als lüstern und von Trieben beherrscht karikiert.
für weitere Informationen:
https://westfalen.museum-digital.de/object/52

























































