Kindheit und Erziehung














Kindheit und Erziehung
Die fehlende Gleichberechtigung wirkt sich auch auf die Kinder und deren Erziehung aus. Ziel einer Ehe ist die Zeugung eines männlichen Erben. Ideal ist die Zwei-Söhne-Ehe, denn jedes Mädchen muss ja später verheiratet werden und erhält dann eine Mitgift, was zur Reduzierung des Familienvermögens führt. Kindesaussetzung ist eine in der gesamten Antike gebräuchliche Art der Geburtenregelung und trifft zumeist weibliche und behinderte Säuglinge.
Am 10. Tag nach der Geburt erhält das Neugeborene einen Namen. Versorgung und Erziehung ist die Aufgabe der Mutter; in vermögenden Familien auch der Amme. Die Kindheit ist bis zum 7. Lebensjahr geprägt durch sorgloses Spielen, dies spiegelt sich in zahlreich gefundenem Spielzeug wider: drei Astragale (1), Würfel (2), Puppe (3), Rassel (4). Kinder haben auch Haustiere: Taube (5) und Hund (6). Danach gehen die Knaben (7) in eine private Schule: Manteljünglinge mit Schrifttafel (8), Tintenfass (9), Schreibgriffel (stilus) (10), Schreibtafel (11). Mädchen (12) werden zu Hause gebildet. Wohlhabendere Familien leisten sich einen Begleiter für den Sohn (paidagogos). Dieser soll den Sohn (13) auf dem Schulweg vor Belästigungen – insbesondere homosexueller Art – schützen.
Mit 18 Jahren beginnt in Athen Ende des 4. Jh. v. Chr. der zweijährige Militärdienst. Die jungen Frauen bleiben im Hause und werden auf ihre zukünftige Rolle als Ehefrau (14) vorbereitet, indem ihnen die „weiblichen“ Fähigkeiten wie Spinnen und Weben beigebracht werden. Die Hochzeit ist für das junge Mädchen der schönste Augenblick, da es am Abend zuvor im Kreise der Freundinnen Abschied von der Kindheit nimmt und am nächsten Tag in den nun von ihr zu leitenden Haushalt übersiedelt.
Objekt 1| ein Paar Würfelknöchelchen (astragaloi)
Objekt 2| Würfelknöchelchen (astragalos)
Objekt 3| Würfel
Objekt 4| Puppe
Objekt 5| Rassel
Objekt 6| Taube
Objekt 7| Kännchen / sogenanntes Choenkännchen
Objekt 8| Statuette / hockender Knabe
Objekt 9| Mischgefäß zum Mischen von Wein und Wasser (Glockenkrater) / Manteljünglinge – oben zwischen ihnen eine Schreibtafel mit Griffel
Objekt 10| Tintenfass
Objekt 11| Schreibgriffel (stilus)
Objekt 12| Kopie einer antiken Schreibtafel
Objekt 13| Statuette / Mädchen
Objekt 14| Statuette / Knabe
Objekt 15| Statuette / junge Frau
Objekt 1 | ein Paar Würfelknöchelchen (astragaloi)
ein Paar Würfelknöchelchen (astragaloi)
aus Bein, davon eins mit Bleiplombe
aus Westanatolien / Westtürkei
Astragale sind Gelenkknochen von Schafen oder Ziegen, die vor und nach Erfindung des Würfels als ebensolcher gedient haben. Sie werden in Geschicklichkeits- und Würfelspielen genutzt.
Aufgrund des mangelnden Fundkontextes können die beiden Astragale nicht datiert werden.
Inv. 2194 + 2195 – ehemals Münsteraner Sammlung
Eins der beiden Beinastragale ist gezinkt, so dass es sicherlich mit betrügerischer Absicht bei Würfelspielen eingesetzt wurde.
Objekt 2 | Würfelknöchelchen (astragalos)
Würfelknöchelchen (astragalos)
aus Bronze
Herkunft unbekannt
Astragale sind Gelenkknochen von Schafen oder Ziegen, die vor und nach Erfindung des Würfels als eben solcher gedient haben. Sie werden in Geschicklichkeits- und Würfelspielen genutzt.
Aufgrund des mangelnden Fundkontextes kann das Astragal nicht datiert werden.
Inv. 2373 – ehemals rheinische Sammlung
Das Miniaturastragal kann als Spielzeug, aber auch als Weihegabe in ein Heiligtum interpretiert werden. Manche Bronze-Astragale sind als Eichgewicht zu verstehen.
Objekt 3 | Würfel
Würfel
aus Bein
Herkunft unbekannt
Der Würfel hat in der Antike schon die gleiche Form wie heute: Die Gegenseiten ergeben immer die magische Zahl sieben.
römische Kaiserzeit, ca. 1–300 n. Chr.
Inv. 2523
Objekt 4 | Münze (As) / Pax
Puppe
aus Ton
laut Vorbesitzer aus Nordgriechenland
Diese Puppe ist ohne ihre separat angefügten Arme und Beine erhalten.
ca. 470–450 v. Chr.
Inv. 2374 – ehemals rheinischer Privatbesitz
Objekt 5 | Rassel
Rassel
aus Ton
aus Böotien / Griechenland, erworben in Theben, Fundort nach dem Vorbesitzer wohl das Kabirion
ca. 500 v. Chr.
Inv. 469 – ehemals Sammlung Otto Rubensohn
Objekt 6 | Taube
Taube
aus Ton
aus Apulien / Süditalien (canosinisch-polychrom)
Durch Malerei ist ein Band mit Schleife angegeben, so dass diese Taube wohl als Haustier interpretiert werden kann. Einige antike Reliefs zeigen insbesondere Mädchen, die mit Vögeln als Haustieren beschäftigt sind.
ca. 300–280 v. Chr.
Inv. 1002 – ehemals Sammlung Eheleute Görtz-Strötgen
Derartige Taubenfigurinen sind Applikationen von Grabgefäßen.
Objekt 7 | Kännchen / sogenanntes Choenkännchen

Kännchen / sogenanntes Choenkännchen
aus Ton
aus Athen – attisch-rotfigurig
Auf dieser kleinen sogenannten Choenkanne ist ein kleiner Junge mit Amulettband krabbelnd mit seinem Haushund der Rasse Spitz (in der Antike nannte man sie Malteser) wiedergegeben.
ca. 420–410 v. Chr.
Inv. 869 – ehemals Sammlung Werner Peek
Objekt 8 | Statuette / hockender Knabe
Statuette / hockender Knabe
aus Ton
aus Böotien, erworben in Athen
Der Knabe mit Schultermantel (chlamys) sitzt auf einen Felsen; seinen Kopf bedeckt ein Reisehut (petasos).
ca. 330 v. Chr.
Inv. 340 – ehemals Sammlung Otto Rubensohn
Objekt 9 | Mischgefäß zum Mischen von Wein und Wasser (Glockenkrater) / Manteljünglinge – oben zwischen ihnen eine Schreibtafel mit Griffel
Mischgefäß zum Mischen von Wein und Wasser (Glockenkrater) / Manteljünglinge – oben zwischen ihnen eine Schreibtafel mit Griffel
aus Ton
aus Apulien / Südostitalien (apulisch-rotfigurig)
Zwei sich gegenüberstehende sogenannte Manteljünglinge mit Stab, zwischen ihren Köpfen ist eine zusammengeklappte mit Fäden umwickelte Schreibtafel mit Griffel wiedergegeben.
ca. 340 v. Chr.
Inv. 575
Objekt 10 | Tintenfass
Tintenfass
aus Bronze
vom Vorbesitzer in Istanbul erworben
Dies ist ein typisches römisches Tintenfässchen.
ca. 1-100 n. Chr.
Inv. 3024 – ehemals Sammlung Ernst-Ulrich Walter
Objekt 11 | Schreibgriffel (stilus)
Schreibgriffel (stilus)
aus Bronze
aus dem Römischen Reich
noch unerforscht, wohl 200–400 n. Chr.
Inv. 3789 – ehemals Münsteraner Privatbesitz
Objekt 12 | Kopie einer antiken Schreibtafel
Kopie einer antiken Schreibtafel
Analog zu antiken Schreibtafeln, die aus zwei zusammenklappbaren hölzernen Tafeln bestehen, die mit Wachs bestrichen sind, ist diese Kopie hergestellt.
Objekt 13 | Statuette / Mädchen

Statuette / Mädchen
aus Ton
aus Böotien / Griechenland, erworben in Athen
Das stehende Mädchen ist in ein langes Gewand und einen Mantel gehüllt. In ihrer Linken hält sie einen Fächer.
ca. 280–270 v. Chr.
Inv. 341 – ehemals Sammlung Otto Rubensohn
Objekt 14 | Statuette / Knabe
Statuette / Knabe
aus Ton
aus Böotien / Griechenland, erworben in Athen
Der stehende Knabe ist in einen Mantel gehüllt. In seiner gesenkten Linken hält er eine Weintraube. Den Kopf ziert eine Wulstbinde mit Efeublättern und -früchten (Korymben).
ca. 300 v. Chr.
Inv. 342 – ehemals Sammlung Otto Rubensohn
Objekt 15 | Statuette / junge Frau
Statuette / junge Frau
aus Ton
aus Apulien / Südostitalien
Die stehende junge Frau ist in ein langes Gewand und einen Mantel gehüllt. Den Kopf ziert ein Efeukranz mit Früchten (Korymben).
ca. 300–200 v. Chr.
Inv. 1028 – ehemals Sammlung der Eheleute Görtz-Strötgen



















































