Herkunftsforschung

Herkunftsforschung

Jede Analyse eines archäologischen Objektes beginnt mit folgender Frage: Woher kommt es? Die Herkunft (Provenienz) ist nämlich zentral für das Verständnis und die Interpretation archäologischer Funde. Dies gilt nicht nur für die Frage, wer das Artefakt wann, wie und für welchen Zweck hergestellt hat, sondern auch für die weitere Verwendung.

Die Sammlung dieses Museums bietet die Möglichkeit, drei verschiedene Aspekte zu dieser Fragestellung aufzuzeigen. Zunächst steht der Abguss eines marmornen Statuenfragmentes eines jungen Mannes (1) für die Notwendigkeit zu erforschen, woher die Objekte des Museums kommen. In diesem Falle ist deutlich geworden, dass das Original auf nicht mehr nachweisbaren illegalen Wegen aus Fondi in Italien nach Deutschland gelangt ist. Konsequenterweise hat die Universität Münster den Kopf 2019 an den italienischen Staat übergeben.

Die Kopie eines athenischen Trinkgefäßes (2) ersetzt den originalen Becher, der nun im Museum der Geschichte der Olympischen Spiele in Olympia steht. Der Becher wurde zwar legal erworben, doch hat die Universität Münster 2019 das Gefäß in einem Festakt im Nationalmuseum Athen dem griechischen Staat geschenkt, weil es dort eine herausragende ideelle Bedeutung hat. Unser Kollege Georgos Kavvadias hat nämlich nachgewiesen, dass dieses Gefäß ein Geschenk für den ersten griechischen Goldmedaillengewinner der ersten neuzeitlichen Olympischen Spiele ist – Spyridon Louis, Sieger im Marathonlauf 1896 in Athen.

Die 17 römischen Bronzemünzen (3) gelangen aus Privatbesitz 2017 in unsere Sammlung. Die Herkunftsforschung des Museumsteams ergibt, dass es sich um verschollene Fundmünzen von einer Ausgrabung in Bongard-Hönkelsberg/Vulkaneifel aus dem Jahr 1936 handelt, die nun wissenschaftlich erschlossen werden konnten.

Objekt 1| Gipsabguss eines marmornen Statuenfragmentes eines jungen Mannes

Objekt 2| Kopie eines athenischen Trinkgefäßes

Objektgruppe 3| 17 römische Münzen

Objekt 1 | Gipsabguss eines marmornen Statuenfragmentes eines jungen Mannes

Gipsabguss eines marmornen Statuenfragmentes eines jungen Mannes
Original aus Marmor
zurückgegeben an den italienischen Staat für das Museum von Fondi
Der Kopf eines jungen Mannes mit voluminösem lockigem Haar gehört gemäß eines Photos aus dem Jahr 1937 zu einem nackten Oberkörper und kann somit als Darstellung eines Gottes oder einer mythologischen Gestalt interpretiert werden.

Original ca. 200 n. Chr.
Gipsabguss Inv. A 451 – Stiftung Lars Petersen

Objekt 2 | Kopie eines athenischen Trinkgefäßes

Kopie eines athenischen Trinkgefäßes
Original aus Ton
zurückgegeben an den griechischen Staat für das Museum der Geschichte der Olympischen Spiele in Olympia
Auf dem Becher (skyphos) sind nackte Wettläufer mit langen Haaren wiedergegeben.

Original ca. 520 v. Chr. – möglicherweise Kamel-Maler
Die Kopie hat der Athener Künstler Thomas Kotsigiannis 2019 geschaffen.
Kopie Inv. 857 – Stiftung Georgos Kavvadias

Der skyphos ist dem ersten griechischen Goldmedaillengewinner Spyridon Louis geschenkt worden, der anlässlich der ersten Olympischen Spele der Neuzeit im Jahr 1896 den Marathonlauf gewonnen hatte.

Objekt 3 | 17 römische Münzen

17 römische Münzen
aus Buntmetall
Münzhort aus Bongard-Hönkelsberg (Rheinland-Pfalz) bestehend aus 17 Münzen: elf aus der Zeit des Kaisers Constantinus I. und seiner Nachfolger und einer deutlich früheren Münze des Kaisers Antoninus Pius

155/156 bzw. 156/157 sowie 16 Münzen aus dem Zeitraum 321–351 n. Chr.
Inv. 5783–5799
für weitere Informationen:

https://archaeologie.uni-muenster.de/ikmk/object?id=ID3421

https://archaeologie.uni-muenster.de/ikmk/object?id=ID3469

https://archaeologie.uni-muenster.de/ikmk/object?id=ID3470

https://archaeologie.uni-muenster.de/ikmk/object?id=ID3471

https://archaeologie.uni-muenster.de/ikmk/object?id=ID3472

https://archaeologie.uni-muenster.de/ikmk/object?id=ID3473

Münze (Sesterz)
aus Bronze, 18,70 g; Dm 31 mm; Stempelstellung 11 h

155/156 bzw. 156/157 n. Chr. in Rom unter Kaiser Antoninus Pius geprägt

Vorderseite: Kopf des Antoninus Pius mit Gewand über der Schulter
Rückseite: Providentia – die Verkörperung der über dem Kaiser waltenden göttlichen Vorsehung und der Fürsorge des Herrschers bzw. des Kaisers für Rom und für die Römer – steht nach links; ihre gesenkte Rechte weist auf eine Sphaira – Himmelskugel als Zeichen der Weltherrschaft – am Boden, ihre Linke hält ein Zepter.
Fundhort: Bongard-Hönkelsberg/Vulkaneifel (Rheinland-Pfalz)
für weitere Informationen:
https://archaeologie.uni-muenster.de/ikmk/object?id=ID3414

Münze
aus Bronze, 2,23 g; Dm 18 mm; Stempelstellung 7 h

unter Kaiser Konstantin I. 321 n. Chr. in Trier geprägt
Vorderseite: Drapierte Panzerbüste Konstantins des Großen mit Helm
Rückseite: Altar mit der Aufschrift VOT/I-S / XX, darauf eine Sphaira – Himmelskugel als Zeichen der Weltherrschaft
Fundhort: Bongard-Hönkelsberg/Vulkaneifel (Rheinland-Pfalz)
für weitere Informationen:
https://archaeologie.uni-muenster.de/ikmk/object?id=ID3415

Münze
aus Bronze, 1,45 g; Dm 16 mm; Stempelstellung 5 h

unter Kaiser Konstantin I. ca. 330–333 n. Chr. geprägt
Vorderseite: Gewandbüste der Konstantinopolis mit Helm und geschultertem Speer
Rückseite: Siegesgöttin Victoria frontal mit leichter Wendung und Blick nach links, ihr rechter Fuß auf einen Schiffsbug (prora), in ihrer rechten Hand ein Speer, die linke am Schild
Inv. 5786
Fundhort: Bongard-Hönkelsberg/Vulkaneifel (Rheinland-Pfalz)
für weitere Informationen:
https://archaeologie.uni-muenster.de/ikmk/object?id=ID3417

Münze
aus Bronze, 0,69 g; Dm 12 mm; Stempelstellung 1 h

unter Kaiser Konstantin I. ca. 330–333 n. Chr. geprägt
Vorderseite: Gewandbüste der Konstantinopolis mit Helm und geschultertem Speer
Rückseite: Siegesgöttin Victoria frontal mit leichter Wendung und Blick nach links, ihr rechter Fuß auf einen Schiffsbug (prora), in ihrer rechten Hand ein Speer, die linke am Schild
Inv. M 5787
Fundhort: Bongard-Hönkelsberg/Vulkaneifel (Rheinland-Pfalz)
für weitere Informationen:
https://archaeologie.uni-muenster.de/ikmk/object?id=ID3418

Münze
aus Bronze, 1,91 g; Dm 16 mm; Stempelstellung 5 h

unter Kaiser Konstantin I. ca. 333–334 n. Chr. in Trier geprägt
Vorderseite: Panzerbüste der Roma mit Helm und geschultertem Speer
Rückseite: Wölfin (lupa Romana) säugt die Zwillinge Romulus und Remus; oben im Feld Palmzweig zwischen zwei Sternen
Inv. M 5788
Fundhort: Bongard-Hönkelsberg/Vulkaneifel (Rheinland-Pfalz)
für weitere Informationen:
https://archaeologie.uni-muenster.de/ikmk/object?id=ID3419

Münze
aus Bronze, 1,07 g; Dm 14 mm; Stempelstellung 6 h

unter Kaiser Konstantin I. ca. 335–337 n. Chr. geprägt
Vorderseite: Drapierte Panzerbüste Konstantins des Großen mit Rosettendiadem
Rückseite: zwei Soldaten frontal nebeneinander mit Blick nach innen, mit der äußeren Hand halten sie einen Speer, die innere am Schild, zwischen ihnen ein Feldzeichen
Inv. M 5789
Fundhort: Bongard-Hönkelsberg/Vulkaneifel (Rheinland-Pfalz)
für weitere Informationen:
https://archaeologie.uni-muenster.de/ikmk/object?id=ID3420

Münze
aus Bronze, 0,60 g; Dm 13 mm; Stempelstellung 6 h

unter Kaiser Konstantin II. ca. 337–340 n. Chr. oder etwas später geprägt
Vorderseite: Kopf des Konstantin II. mit Rosettendiadem
Rückseite: zwei Soldaten frontal nebeneinander mit Blick nach innen, mit der äußeren Hand halten sie einen Speer, die innere am Schild, zwischen ihnen ein Feldzeichen
Inv. M 5790
Fundhort: Bongard-Hönkelsberg/Vulkaneifel (Rheinland-Pfalz)
für weitere Informationen:
https://archaeologie.uni-muenster.de/ikmk/object?id=ID3421

Münze
aus Bronze, 1,01 g; Dm 14 mm; Stempelstellung 12 h

unter Kaiser Konstantin II. ca. 337–340 n. Chr. oder etwas später geprägt
Vorderseite: Kopf des Konstantin II. mit Rosettendiadem
Rückseite: zwei Soldaten frontal nebeneinander mit Blick nach innen, mit der äußeren Hand halten sie einen Speer, die innere am Schild, zwischen ihnen ein Feldzeichen (vexillum), darauf G
Inv. M 5791
Fundhort: Bongard-Hönkelsberg/Vulkaneifel (Rheinland-Pfalz)
für weitere Informationen:
https://archaeologie.uni-muenster.de/ikmk/object?id=ID3469

Münze
aus Bronze, 0,60 g; Dm 12 mm; Stempelstellung 2 h

unter den Söhnen des Kaisers Konstantin I. ca. 337–340 n. Chr. oder etwas später geprägt
Vorderseite: Kaiserkopf
Rückseite: zwei Soldaten frontal nebeneinander mit Blick nach innen, mit der äußeren Hand halten sie einen Speer, die innere am Schild, zwischen ihnen ein Feldzeichen (vexillum), darauf Y
Inv. M 5792
Fundhort: Bongard-Hönkelsberg/Vulkaneifel (Rheinland-Pfalz)
für weitere Informationen:
https://archaeologie.uni-muenster.de/ikmk/object?id=ID3470

Münze
aus Bronze, 0,91 g; Dm 15 mm; Stempelstellung 11 h

unter Kaiser Konstantin II. ca. April 340 n. Chr. oder etwas später geprägt
Vorderseite: Drapierte Panzerbüste des Kaisers Konstantin II. mit Rosettendiadem
Rückseite: zwei Soldaten frontal nebeneinander mit Blick nach innen, mit der äußeren Hand halten sie einen Speer, die innere am Schild, zwischen ihnen ein Feldzeichen (vexillum), darauf G
Inv. M 5793
Fundhort: Bongard-Hönkelsberg/Vulkaneifel (Rheinland-Pfalz)
für weitere Informationen:
https://archaeologie.uni-muenster.de/ikmk/object?id=ID3471

Münze
aus Bronze, 0,94 g; Dm 16 mm; Stempelstellung 6 h

unter Kaiser Konstans ca. April 347–348 n. Chr. oder etwas später in Trier geprägt
Vorderseite: Drapierte Panzerbüste des Kaisers Konstantin II. mit Rosettendiadem
Rückseite: Zwei Victorien stehen einander zugewandt, in ihrer erhobenen rechten Hand halten sie jeweils einen Kranz, in ihrem linken Arm einen Palmzweig; zwischen ihnen ein herzförmiges Objekt
Inv. M 5794
Fundhort: Bongard-Hönkelsberg/Vulkaneifel (Rheinland-Pfalz)
für weitere Informationen:
https://archaeologie.uni-muenster.de/ikmk/object?id=ID3472

Münze
aus Bronze, 0,57 g; Dm 15 mm; Stempelstellung 12 h

unter Kaiser Konstans ca. 347–348 n. Chr. oder etwas später geprägt
Vorderseite: Drapierte Panzerbüste des Kaisers Konstantin II. mit Rosettendiadem
Rückseite: Zwei Victorien stehen einander zugewandt, in ihrer erhobenen rechten Hand halten sie jeweils einen Kranz, in ihrem linken Arm einen Palmzweig; zwischen ihnen ein herzförmiges Objekt
Inv. M 5795
Fundhort: Bongard-Hönkelsberg/Vulkaneifel (Rheinland-Pfalz)
für weitere Informationen:
https://archaeologie.uni-muenster.de/ikmk/object?id=ID3473