Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit

Heutzutage ist es selbstverständlich, dass zum schonenden Umgang mit Ressourcen Materialien recycelt werden. In der Antike ist dieses Verhalten auch nachzuweisen, selbst wenn oft nur der Mangel an anderem verwendbarem Material dazu führt.

Das kleine marmorne Grabrelief (1) verrät die Wiederverwendung eines Architekturelementes durch den nicht abgearbeiteten Pfeifenstab an der rechten Seite.

Silbermangel in Athen führt im 2. Jh. v. Chr. dazu, dass man die Schlacke der bereits Ende des 4. Jh. v. Chr. geschlossenen Bergwerke im Laurion (Gebirge südöstlich von Athen) erneut verhüttet. Somit steht genügend Silber für die Prägung von Münzen (2) zur Verfügung.

Auch die wertvolle Bronze wird gern wiederverwendet. Das Rathgen-Forschungslabor in Berlin hat die Köpfe der beiden Göttinnen Athena (3) und Isis (4) untersucht und festgestellt, dass diese aus einer für Gefäße üblichen Legierung hergestellt sind.

Das Schreibmaterial Papyrus war in Ägypten während des Altertums kostbar, so dass wir zahlreiche andere Materialien kennen: beschriftete Steinabschläge (siehe Ägyptenvitrine im Untergeschoss) und Tonscherben (5) sind besonders häufig. Auch bereits beschriftete Papyri (6) können mit weiteren Texten versehen werden.

Etwas ganz Besonderes ist das Mumienetikett (7), das eine völlig neue Nutzung erfahren hat: Es dient nun als Kopfsteuerquittung. Die genaue Datierung – „im vierten Jahr des Kaisers Titus, am 9. (oder 5.) Tag im Monat Sebastos“, d.h. am 2. oder 6. September 81 n. Chr. – macht es zum letzten erhaltenen Dokument aus der Regierungszeit dieses Kaisers, der am 13. September gestorben ist.

Objekt 1| Grabrelief – wiederverwendeter Architekturblock

Objekt 2| Münze (Tetradrachme) / Kopf der Athena

Objektgruppe 3| Athenakopf

Objektgruppe 4| Isiskopf

Objektgruppe 5| sechs beschriftete Scherben (ostraka)

Objekt 1 | Grabrelief – wiederverwendeter Architekturblock

Grabrelief – wiederverwendeter Architekturblock
aus Marmor
nach Auskunft des Vorbesitzers aus Westanatolien/Westtürkei, in Ankara erworben
Der ehemalige Architekturblock – erkennbar an dem nicht abgearbeiteten Dekorationsband (Pfeifenfries) an der rechten Seite – ist als Grabrelief umgearbeitet worden. In einem Architekturrahmen ist eine sitzende Frau wiedergegeben. Die Verstorbene heißt gemäß der eingeritzten Inschrift Kyrilla.

ca. 200–300 n. Chr.
Inv. 2303 – ehemals Sammlung Ernst-Ulrich Walter, in Ankara gekauft

Objekt 2 | Münze – Tetradrachme

Münze – Tetradrachme
aus Silber, 13,08 g; Dm 29 mm; Stempelstellung 12 h
aus Athen
Diese Tetradrachme des Neuen Stils zeigt auf der Vorderseite den Kopf der Athena Parthenos mit bebuschtem attischem Helm, dessen Nackenschutz verziert ist; oberhalb des Scharniers ein Greif.

127–126 v. Chr. datiert nach der Nennung der drei Magistraten Lysandros, Glaukos und Athenobios
Inv. M 4551 – ehemals Sammlung Theobald Bieder
für weitere Informationen:
https://archaeologie.uni-muenster.de/ikmk/object?id=ID704

Objekt 3 | Athenakopf

Athenakopf
aus Bronze
Herkunft unbekannt
Der Kopf der Athena ist von einem außergewöhnlichen Helm bedeckt. Während sie üblicherweise einen korinthischen oder attischen Helm trägt, ist dieses Exemplar den böotischen ähnlich. Leider sind die Reste vom Helmbusch und drei Fortsätze schwierig einzuordnen.

noch nicht erforscht
Inv. 877 – ehemals Münsteraner Sammlung

Objekt 4 | Isiskopf

Isiskopf
aus Bronze
Der von einer Statuette stammende Kopf der Göttin Isis wird von einer Krone überragt, die basileion genannt wird. Sie symbolisiert den Segensreichtum der Göttin der Saat und der Fruchtbarkeit, die auch als Beschützerin verehrt wird.

ca. 1-300 v. Chr.
Inv. 2721 – Stiftung aus dem Umfeld der Kerykeionstiftung für Archäologische Museen

Objekt 5 | sechs beschriftete Scherben (ostraka)

sechs beschriftete Scherben (ostraka)
aus Ton
aus Ägypten
Nach dem griechischen Wort ostrakon für Tonscherbe werden in der Archäologie beschriftete Tonscherben und Kalksteinabschläge benannt. Sie dienen in der Regel für Quittungen.

ca. 2./3. Jh. n. Chr.
Inv. 242–247 – ehemals Sammlung Otto Rubensohn, Inv. 2075 – ehemals Sammlung Werner Peek
Inv. 243               Quittung für Mietzins vom 7. August 178 n. Chr., aus Elephantine
Inv. 2075             Quittung für Eingang von Getreide in einen Speicher, 26. Mai–24. Juni 129 n. Chr., aus Theben