Mann und Frau in der Antike – von Gleichberechtigung keine Spur

Mann und Frau in der Antike – von Gleichberechtigung keine Spur

Die griechische Antike sah eine klare Rollenverteilung zwischen Mann und Frau und eine eindeutige Hinwendung zu einem heldischen Ideal männlicher Lebensführung, zum Bild des Mannes als Krieger und Sportler (Reiter 1 siehe Vitrinen). In diesem Zusammenhang diente die Knabenliebe der Erziehung der männlichen Jugend zu einem tugendhaften Leben (2). Auch das Festgelage (symposion) war den Männern vorbehalten (Trinkschale 3), somit aber neben dem leiblichen Wohl auch für die kulturelle Ertüchtigung und die Formierung politischer Gemeinschaften. In den 480er Jahren v. Chr. – sicherlich auch begünstigt durch den Sieg des Bürgerheeres gegen die Perser in der Schlacht von Marathon 490 v. Chr. – wird ein politisches Instrument eingeführt, das die Alleinherrschaft verhindert: das Scherbengericht (4). Gleichzeitig zu dieser politischen Neuerung werden Vasenbilder, die sog. Frauengemachszenen (5), immer beliebter.

Die Hauptrolle der Frau ist die Wahrung der Stabilität des Gemeinwesens und der Familie. Obwohl die wichtigste Rolle einer Frau die der Ehefrau und Mutter bleibt, gibt es viele Berufe, denen eine Frau nachgehen kann. In Justiz und Politik spielen Frauen offiziell keine Rolle und sind immer einem männlichen Vormund untergeordnet.

Mithilfe von Ölen, Pudern und anderen Kosmetikprodukten (6+7), die aus mineralischen, tierischen und pflanzlichen Stoffen hergestellt werden, wird einem jugendlichen Schönheitsideal nachgegangen. Für die Frau ist die Hochzeit der schönste Tag im Leben (8–10). Als Leiterin des eigenen Haushaltes obliegt ihr dann die Erziehung der Kinder, die Organisation des häuslichen Lebens sowie die Herstellung der Kleidung für die Familie (11–15).

Objekt 1| Kännchen (olpe)

Knabenliebe

Objekt 2| Wassergefäß (kalpis)

Reiter

Objekt 3| Trinkschale (sog. Glanztonkeramik)

Objekt 4| beschriftete Scherbe

Objekt 5| Vorratsgefäß (pelike)

ideale Familie

Objekt 6| Handzentrifuge für Herstellung von Duftöl (exaleiptron)

Objekt 7| Fläschchen für Duftöl (alabastron)

Objekt 8| Miniaturnachbildung eines Waschbeckens (louterion)

Objekt 9| Duftölgefäß (lekythos)

zwei Frauen und Liebesgott Eros

Objekt 10| Hydria

am Vorabend der Hochzeit

Objekt 11| Fingerkunkel

Venus

Objekt 12| Spindel

Objekt 13| Spinnwirtel

Objekt 14| Webgewicht

Objekt 15| Webgewicht

Objekt 1 | Kännchen (olpe) / Knabenliebe

Kännchen (olpe) / Knabenliebe
aus Ton
aus Athen (attisch-schwarzfigurig) – in Selinunt / Sizilien erworben
homoerotische Szene: älterer bärtiger Mann, Jüngling, davor Hund, weiterer älterer Mann

ca. 500–480 v. Chr. – Punkt-Efeu-Gruppe
Inv. 38
Knabenliebe (paiderasteia) ist im antiken Griechenland weit verbreitet. Sie soll sich idealerweise nicht in sexuellen Handlungen ausdrücken, sondern in der Einführung des Jüngeren in die Welt der erwachsenen Männer. Der ältere Partner – vom Vater des Jünglings ausgesucht – soll diesen in der Erziehung zu kriegerischer Tüchtigkeit und im Streben nach tugendhaftem Charakter leiten.

Objekt 2 | Wassergefäß (kalpis) / Reiter

Wassergefäß (kalpis) / Reiter
aus Ton
aus Athen (attisch-schwarzfigurig)
nackter jugendlicher Reiter nach rechts

ca. 510–500 v. Chr.
Inv. 863 – ehemals Sammlung Werner Peek
Ob dieser jugendliche Reiter für ein sportliches oder ein militärisches Training aktiv ist kann nicht mit Sicherheit behauptet werden, die Nacktheit spricht eher für den Sport.

Objekt 3 | Trinkschale (sog. Glanztonkeramik)

Trinkschale (sog. Glanztonkeramik)
aus Ton
aus Athen
typisches Alltagsgeschirr für das Trinkgelage zu Beginn der klassischen Epoche sind Schalen dieser Form

ca. 480 v. Chr.
Inv. L GE D 4 – Dauerleihgabe der Stadt Gelsenkirchen

Objekt 4 | beschriftete Scherbe

beschriftete Scherbe
aus Ton
aus Athen
Herkunft, Keramiktyp, Buchstabenformen und Formular lassen annehmen, dass es sich bei dieser beschrifteten Scherbe um eine Stimmscherbe des athenischen Scherbengerichtes (ostrakismos) handelt. Der mit Korrekturen versehene Text würde ergänzt übersetzt lauten: Nikokles, Sohn des Nikokrates, aus dem Demos Leukonoë bzw. Ankyle.

ca. 500–400 v. Chr. (?)
Inv. 2077 – ehemals Sammlung Werner Peek
Der ursprüngliche Besitzer hielt diese Scherbe für eine Fälschung, unser junger Kollege Jonas Schüren kann das zwar nicht ausschließen, erwägt aber, sie für authentisch zu halten.

Objekt 5 | Vorratsgefäß (pelike) / ideale Familie

Vorratsgefäß (pelike) / ideale Familie
aus Ton
aus Athen – laut Vorbesitzer in Vulci erworben
Diese sogenannte Frauengemachsszene zeigt eine ideale Familie in häuslichem Zusammenhang – deutlich durch den Stuhl und die Binde, die an einer Wand hängend angegeben ist. Der Mann ist bereit, das Haus zu verlassen, da er einen Stab mitführt. Der Frau hilft ihr Sohn bei der Drapierung des Gewandes.

ca. 475 v. Chr. – Eucharides-Maler
Inv. 66
Derartige Themen werden erstmalig nach 480 v. Chr. in Athen auf Vasen dargestellt. Dies ist als Zeichen bürgerlichen Selbstbewusstseins zu verstehen. Die Bilderwelt des Adels kannte ein derartiges Thema nicht.

für weitere Informationen:
https://westfalen.museum-digital.de/object/10

Objekt 6 | Handzentrifuge für Herstellung von Duftöl (exaleiptron)

Handzentrifuge für Herstellung von Duftöl (exaleiptron)
aus Ton
aus Athen
Die besonders kompliziert geformte Mündung – im Querschnitt vergleichbar dem heutigen oberen Abschluss einer Toilettenschüssel – deutet darauf hin, dass in diesem Gefäß Öl mit Duftstoffen vermischt wurde. Die Zentrifugalkräfte sorgten zwar für eine kräftige Bewegung der Flüssigkeit, das Mündungsprofil verhinderte allerdings das Überschwappen.

ca. 500–490 v. Chr.
Inv. 302 – ehemals Sammlung Otto Rubensohn
Derartige Gefäße gehören zum standardmäßigen Besitz einer Frau, wie unzählige Bilder auf Totenkult-Gefäßen für Frauen bezeugen: Auf den Stufen der dort dargestellten Grabmonumente steht sehr häufig ein exaleiptron.

Objekt 7 | Fläschchen für Duftöl (alabastron)

Fläschchen für Duftöl (alabastron)
aus Kalzit
Duftöl ist in der Antike sehr wertvoll, da es aus dem Orient eingeführt wird. In der Regel konnte sich eine Frau deshalb nur geringe Mengen leisten, so dass dieses Kalzitgefäß die übliche Größe für Parfumflaschen widerspiegelt.
Inv. L GE D 30 – Dauerleihgabe der Stadt Gelsenkirchen
Der Name alabastron für derartige Gefäße leitet sich davon ab, dass Alabastergefäße aus Ägypten als Vorbild für diese Fläschchen (s.u. Ägyptenvitrine) gedient haben.

Objekt 8 | Miniaturnachbildung eines Waschbeckens (louterion)

Miniaturnachbildung eines Waschbeckens (louterion)
aus Ton
aus Athen
Hochzeitsbilder mit mehreren Frauen zeigen häufig auch rituelle Waschungsszenen an Waschbecken am Vorabend der Vermählung. Verkleinerte Modelle dieser louteria können als Spielzeug, als Weihgeschenk an eine Göttin oder als Grabbeigabe verstanden werden. In letzterem Falle würden sie einer unverheiratet verstorbenen Frau im Jenseits den Vollzug einer Hochzeit ermöglichen.

ca. spätes 5. Jh. v. Chr.
Inv. 300 – ehemals Sammlung Otto Rubensohn
Das Einzigartige an diesem Miniaturwaschbecken ist der erhaltene Deckel. Durch die Angabe von Nagelköpfen ist er als hölzern zu verstehen. Offensichtlich diente er zur Verhinderung der Verschmutzung des kostbaren sauberen Brunnenwassers.

für weitere Informationen siehe:
https://westfalen.museum-digital.de/object/2752

Objekt 9 | Duftölgefäß (lekythos) / zwei Frauen und Liebesgott Eros

Duftölgefäß (lekythos) / zwei Frauen und Liebesgott Eros
aus Ton
aus Athen
Die sitzende Frau ist als Opfernde wohl an den neben ihr stehenden Liebesgott Eros wiedergegeben. Sie ist ebenso wie die hinter ihr Stehende in einen hellblauen Mantel gehüllt und mit Ohrringen, Halskette und Armreifen geschmückt.

ca. 375–350 v. Chr. – Apollonia-Gruppe
Inv. 6051 – ehemals Sammlung Dietmar Jordan
Die Anwesenheit des Eros lässt vermuten, dass diese Szene im Zusammenhang mit der Hochzeit der sitzenden Frau zu sehen ist.

Objekt 10 | Wassergefäß (hydria) / am Vorabend der Hochzeit

Wassergefäß (hydria) / am Vorabend der Hochzeit
aus Ton
aus Athen (attisch-rotfigurig)
Vorabend einer Hochzeit: Die Braut und ihre Freundinnen (wenn nicht die sie bekränzende Frau mit Szepter als Göttin aufzufassen ist) sind mit typischen Accessoires aus dem Frauengemach beschäftigt.

ca. 430–420 v. Chr. – Frauenbad-Maler
Inv. 4767 – ehemals Sammlung Dietmar Jordan
Hochzeitsbilder sind in der athenischen Bilderwelt des 5. und 4. Jh. v. Chr. sehr beliebt. Gerade weil die Frauen alles andere als gleichberechtigt sind und keinerlei aktives Teilnahmerecht an der demokratischen Gestaltung der Stadt haben, konzentrieren sie sich wohl gern auf ihr schönstes Ereignis: die Hochzeit mit dem Übergang vom Haus des Vaters in das des Ehemannes. Nun steht sie einmalig im Mittelpunkt der Geschehnisse.

Objekt 11 | Fingerkunkel / Venus

Fingerkunkel / Venus
Die nackte Liebesgöttin Venus im Hüftmantel bedeckt ihre Scham und ihre Brüste.

ca. 200–400 n. Chr.
Inv. 4155 – ehemals Münsteraner Privatbesitz
Der hier genutzte Typus der Venus Pudica soll als Vorbild für die Tugend der Frau dienen. Entsprechend des Beinamens soll sie schamhaft und ehrbar sein.

Objekt 12 | Spindel

Spindel
aus Bein
Inv. 2993c
Spindel noch unerforscht

Objekt 13 | Spinnwirtel

Spinnwirtel
aus hellblauem Glas
3127 – ehemals Münsteraner Sammlung

ca. 300–400 n. Chr.

Objekt 14 | Webgewicht

Webgewicht
aus Ton
Inv. 1096 – ehemals Sammlung Eheleute Görtz-Strötgen
noch unerforscht

Objekt 15 | Webgewicht

Webgewicht
aus Ton
Inv. 99 – ehemals Sammlung eines diplomatischen Beamten in Izmir
noch unerforscht