Zum Prägen von Münzen

Zum Prägen von Münzen

Am Anfang steht der Beschluss eines Münzherrn (Bund, Stadt, König/Kaiser), eine Münze prägen zu lassen. Daraufhin werden die entsprechenden Stempel geschnitten. Nachdem Metall (Elektron, Gold, Silber oder Bronze) beschafft und ein Schrötling – eine Metallscheibe mit dem Gewicht der zukünftigen Münze – vorbereitet worden ist, wird dieser geprägt und als fertige Münze ausgegeben. Für den Prägevorgang wird der Schrötling zwischen einen beweglichen Oberstempel und einen auf einem Amboss fest fixierten Unterstempel gelegt und dann mit einem Hammer geschlagen.

Die Münze kursiert nun. Bestimmte Gründe können dazu führen, dass die in Umlauf gebrachte Münze zum Gegen-stempeln oder Überprägen eingezogen wird. Nach einer gewissen Laufzeit wird die Münze aus dem Geldverkehr genommen und eingeschmolzen, um neu geprägt zu werden. Sie kann aber auch verloren gehen und erst nach Jahrhunderten wieder ans Tageslicht gelangen.

Etappen im „Leben“ einer Münze

Beschluss des Münzherrn, eine Münze zu prägen. Die Stempel werden geschnitten

Rohmaterial wird beschafft und vorbereitet. Die Münze wird geprägt

Die Münze wird ausgegeben

Die Münze kursiert

Die Münze wird eingezogen und – nachdem sie gegengestempelt oder überprägt worden ist – wieder ausgegeben

Die Münze kursiert erneut

Die Münze geht verloren

Die Münze wird wiedergefunden

Die Münze wird ausgestellt

Objekt 1| Münze (Tetradrachme) mit Doppelschlag

Objekt 2| Münze (1/2 Litra) mit zweifachem Gegenstempel

Objekt 3| Münze mit Überprägung

Münze (Tetradrachme) mit Doppelschlag
aus Silber, 16,63 g; Dm 28 mm; Stempelstellung 4

ca. 445–435 v. Chr. in Syrakus geprägt
Inv. M 8610 – ehemals Sammlung Hermann Twiehaus

Als Doppelschlag bezeichnet man einen Prägefehler während der Herstellung einer Münze. Wird zweimal der Oberstempel auf den Münzrohling geschlagen, kann es zu einer Verschiebung zwischen Rohling und Stempel kommen. Es ergibt sich also ein gegenüber dem ersten Schlag verschobenes Bild des Stempels in die Münze. Häufig erhalten sind Teile des ersten Prägevorgangs. Die Münze zeigt dann zwei gegeneinander verschobene Bilder. Ein derartig stark in der Achse verschobenens Bild wie bei dieser Münze ist allerdings ungewöhnlich, was auch dazu veranlassen kann, in dieser Münze eine Fälschung zu sehen.
für weitere Informationen:
https://archaeologie.uni-muenster.de/ikmk/object?id=ID4004

Münze (1/2 Litra) mit zweifachem Gegenstempel
aus Bronze, 16,63 g; Dm 28 mm; Stempelstellung 4

Ende des 5. Jh. v. Chr. (ca. 410–400 v. Chr.) in Akragas geprägt
Inv. M 3853 – ehemals Sammlung Horst Rosenberg

Die Krabbe sowie zwei der ursprünglich sechs Wertpunkte des ursprünglichen Münzbildes sind noch erkennbar. Sie sind überprägt durch einen rund eingetieften Gegenstempel: Kopf des jugendlichen Herakles mit Löwenfell. Dieses Motiv wiederum ist gegengestempelt mit einer im Stempel eingetieften Muschel.
Münzen können mit einem oder mehreren Gegenstempeln (auch Kontermarken genannt) versehen werden. Diese sind u. a. zum Zweck der Auf- oder Abwertung bzw. zur Anerkennung des Wertes angebracht. Sie können aber auch von den neuen Machthabern aufgebracht werden.
für weitere Informationen:
https://archaeologie.uni-muenster.de/ikmk/object?id=ID360

Münze mit Überprägung
Kopf des Zeus Eleutherios überprägt mit Kopf der bekränzten Sikelia
aus Bronze, 16,39 g; Dm 26 mm; Stempelstellung 4 h

ca. 325-310 v. Chr. in Herbessos / Sizilien geprägt
Inv. M 8451 – ehemals Sammlung Hermann Twiehaus

Überprägungen kommen in der Antike vor, wenn bei einem Wechsel des Münzherren die aktuellen Münzen aus Zeitmangel mit einem neuen Münzstempel überprägt werden. Es gibt aber auch politische Gründe, wenn ein Herrscher die Münzen einer übrrnommenen Stadt durch Überprägen aus dem Verkehr zog. Somit können überprägten Münzen wirtschaftliche und politische Veränderungen anzeigen.
für weitere Informationen:
https://archaeologie.uni-muenster.de/ikmk/object?id=ID360