
Dieses Epinetron (ca. 440–430 v. Chr.) ist eine Leihgabe des Archäologischen Nationalmuseums Athen (Inv. Nr. 2182). Es handelt sich nicht nur um ein eher seltenes archäologisches Objekt, sondern es steht auch für einen Austausch zwischen zwei Museen: Hintergrund der Leihgabe ist die Schenkung eines antiken Trinkgefäßes aus unserer Sammlung an das Archäologische Nationalmuseum im Jahr 2019 (vgl. Vitrine zur Herkunftsforschung). Als Geste der Wertschätzung stellt uns nun das Athener Nationalmuseum dieses Epinetron zur Verfügung.
Ein Epinetron dient zur Verarbeitung von Garn. Der Halbzylinder aus Ton wird so auf den Oberschenkel gelegt, dass auch das Knie bedeckt ist. Es diente zum Schutz bei der Herstellung von Garn im Rahmen der Textilproduktion. Es war also ein Arbeitsgerät, das zunächst einmal in den Bereich des Frauengemachs gehört. Darauf deuten auch die figürlichen Darstellungen auf einigen Epinetra. Denn viele der Stücke sind reich dekoriert und haben Schuppen auf der Oberseite. Solche bemalten Stücke sind als Statussymbole zu verstehen und verweisen auf weibliche Tugend, Fleiß, Anmut und Heiratsfähigkeit.
Auch das hier ausgestellte Epinetron wurde nie als Arbeitsgerät genutzt. Es gelangte als Beigabe in das Grab einer Frau in Athen. Solche tönernen Epinetra sind nur im 6. bis frühen 4. Jahrhundert v. Chr. belegt und sie gehören zu den raren Zeugnissen griechischer bemalter Keramik, für die Frauen als Zielpublikum und Nutzerkreis ausgemacht werden können.
Epinetron
aus Ton
aus Athen
ca. 440–430 v. Chr.
Leihgabe des Archäologischen Nationalmuseums, Athen, Inv. 2182